Die Chef-Beraterin
Alles hat seine Grenzen

Kaffee kochen für den Chef, die Weihnachtsgeschenke für seine Kinder besorgen, der Gang zur Apotheke? Es gibt lästige Aufgaben im Job, keine Frage. Und es gibt Privatkram. Doch wo ist die Grenze und wie wehrt man sich?
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Frau Kramer-Kruste liebt ihren Job - und auch ihren Chef. Also rein platonisch natürlich. Was sie aber regelmäßig zur Raserei bringt, ist „Frau Kramer, würden Sie mir schnell einen Kaffee bringen?“

In Meetings ist grundsätzlich sie diejenige, die aufsteht, um die Herren mit Kaffee oder Tee zu versorgen, „weil niemand meiner Kollegen den A…. hebt“, sagt sie. Zu den Dingen, über die nichts, aber auch gar nichts in ihrer Jobbeschreibung steht – die aber gleichwohl so fest zum Alltag im Job gehören wie der Posteingang oder das Protokoll des Vorstandsmeetings – gehören kleinere Einkäufe, Anzüge, die schnell in die Reinigung gebracht werden müssen, Geschenke für die Kinder aus erster Ehe besorgen.

Gerade der letzte Punkt nimmt um die Weihnachtszeit mitunter absonderliche Dimensionen an. So war die älteste Tochter im letzten Jahr kurz vor Weihnachten gerade 17 geworden. Sie ahnen es: Führerschein mit 16, in Begleitung fahren? Aber doch bitte im eigenen Auto. Nun hat sich das Kind schon immer einen Mini Cooper gewünscht. Wie praktisch. Für die Stadt. Modell Metropolitan. Aber bitte nicht mit dem schwarzen Dach, das passt ja überhaupt nicht. Es wird ja wohl irgendeinen Händler geben, der die Kiste in Beige mit dunkelbraunem Dach rumstehen hat. Am besten noch ein Jahreswagen. Ja. Gab es. Hat Frau Kramer-Kruste auch gefunden. Drei Arbeitstage mit Überstunden, aber das schmucke Teil wird in 14 Tagen unterm Weihnachtsbaum stehen.

Dieses Jahr fiel dem treusorgenden Vater übrigens ein, dass sein Jüngster nächstes Jahr in die Schule kommt und vermutlich sehr bald erfahren wird, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Was das mit Frau Kramer-Kruste zu tun hat? Ist doch klar: Sie soll bitte einen Weihnachtsmann besorgen. „Wie, sämtliche Agenturen sind bereits ausgebucht? Haben Sie da nicht jemanden in Ihrem Bekanntenkreis?!“ Doch. Hat Frau Kramer-Kruste. Der Weihnachtsmann ist jetzt der Klaus. Der ist Leiter einer Kindestagesstätte im sozialen Brennpunkt und hat das schon viele Male gemacht.

Gehört das nun zum Job oder nicht? Ich halte es für müßig (zeitraubend und überflüssig) darüber überhaupt nachzudenken, was ich bereit bin für mein Gehalt zu tun, was nicht? Socken stopfen oder das Sandwich in mundgerechte Stücke schneiden würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen. Aber für alles, was sich innerhalb gewisser Grenzen abspielt, gilt: das Beste draus machen. Und wenn die unsichtbare Linie überschritten ist, dann ist eine klare Ansage in ruhiger Minute mit Sicherheit der beste Weg.

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