Die Chef-Beraterin
Das geht gar nicht!

In Frankfurt sieht es morgens aus, als sei dauerhaft Wandertag. Mit wichtigem Gesicht und Rucksack, aber ohne Stil hetzen selbsternannte Top-Banker ins Büro. Eine Abrechnung mit Anorak-tragenden-möchtegern-Managern.
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Manches geht, anderes nicht. Und es geht einiges nicht. So werde ich jetzt jeden Mittwoch beginnen: Das geht gar nicht!  

Ich bin die Neue hier und darf über Stil schreiben, Stil im weitesten Sinne, also Auftreten, Führung, Aussehen, Benehmen, Kommunikation, Kleidung. Ehrlich gesagt, habe ich einige schlaflose Nächte hinter mir. Weil ich Angst habe. Angst vor Ihnen! Vielleicht werden Sie mich zerreißen, niedermachen, abwählen oder was weiß ich. Aber wenn sich alle einig sind, wird es auch schnell langweilig.

Also quäle ich mich nicht weiter, sondern fange einfach an. Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ich hoffe, dieser Schlaumeier-Spruch stimmt.

Heute ist der erste Mittwoch im neuen Jahr, es ist Winter und es ist kalt. Mein Büro ist in der Goethestraße, in Frankfurt am Main. Gehört zu Deutschlands besten Adressen. Ja, ein bisschen Angeben muss auch mal sein. Da schaut man ja auch gern aus dem Fenster.

Aber, glauben Sie mir, nicht morgens um acht. Und schon gar nicht im Winter. Morgens um acht sieht man auch in der Goethestraße schlechtangezogene Männer. Das liegt daran, dass die meisten denken „mir egal, was ich drüber anziehe, es ist kalt und bin ja gleich im Büro.“

Das geht gar nicht! Es guckt ja auch immer mal einer aus dem Fenster, so wie ich. Eine Zumutung an Anorak-tragenden-möchtegern-Managern, die mit wichtigem Gesicht und Rucksack ins Büro hetzen. Rucksack und Anorak! Geht gar nicht. In Frankfurt sieht es morgens aus, als sei dauerhaft Wandertag. Anorak und Rucksack sollten sein wie Feuer und Wasser, aber nein: Anorak und Rucksack sind hier eher wie Yin und Yang, wie Marianne und Michael.

Generell denkt man ja, den wichtigen Gesichtern nach zu urteilen, dass jedem Zweiten, der durch Frankfurts Innenstadt läuft, die Deutsche Bank gehört. Aber wie so oft mangelt es dann doch am Detail und man merkt, dass nur wenigen die Deutsche Bank gehört. Niemals würde nämlich ein Top-Manager einen Anorak über seinem Anzug tragen. Niemals! 

Kommentare zu " Die Chef-Beraterin: Das geht gar nicht!"

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  • Liebe Frau Wachtel.
    Die schlaflosen Nächte haben Ihnen offensichtlich nicht gut getan.
    Wenn es in Ihrem Arbeitsleben als „Möchtegern-Stilberaterin“ keine größeren Probleme als Anorak tragende, arbeitende Menschen zu kritisieren, dann gratuliere ich Ihnen zum Job. Es scheint für Sie sehr einfach zu sein, Ihr Geld zu verdienen.
    Anstatt zu kritisieren, sollten Sie einmal Vorschläge machen was „Mann“ bei Regen, Wind und Schneefall tragen soll.
    Und dass Topmanager keinen Anorak tragen, liegt wohl eher daran, dass diese mit Chauffeur oder eigenem Auto mit Stellplatz in der Tiefgarage zur Arbeit fahren.
    Und es zeigt sich immer wieder, Frauen können es nicht lassen, ihre Geschlechtsgenossinen derart herabzuwürdigen.
    Und eines noch. Ich hoffe, Frau Wachtel, Sie tragen keine Leggins, ansonsten wären Sie bei Kleidungsästheten ebenfalls gnadenlos durchgefallen.
    In diesem Sinne: Kopf hoch Männer, solche „Beraterinnen“ disqualifizieren sich selber und auf deren Rat kann "Mann" gut verzichten.













  • Es ist schon interessant, dass eine Frau darüber schreibt und natürlich auch aus dem Blickwinkel einer Frau. Nur dieses Phänomen sticht mir an einem Freitag- bzw. Samstagabend bei Frauen ins Auge, gekleidet wie auf der Jagd, zum Wandern, zum Camping oder Berge erklimmen. Wenn es jedoch Damen sind die einem dann doch in Auge stechen und diese dann ebenso anspricht, stellt es sich heraus, es sind Spanierinnen, Französinnen, Italienierinnen oder eben aus dem Ostblock.
    Wie Sie sehen Frau Wachtel, Sie sind nicht allein mit diesem Problem und ich kann mit Ihnen fühlen.

  • Selten einen solchen Blödsinn gelesen. Wenn diese Frau Hirn hat dann sollte Sie Führungskräfte darin schulen wie man verantwortungsvoll seinen Job macht und nicht wie man sich dazu anzieht. Genau diese Nebensächlichkeiten (wenn denn alles sauber und gepflegt ist) lenken von den tatsächlichen Problemen der Menschheit ab.

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