Die Chef-Beraterin
Das Grauen der Werbegeschenke

Kugelschreiber, Regenschirme, Kaffeetassen – die Werbegeschenke von Unternehmen sind oft einfallslos und einfach nur hässlich. Das geht gar nicht! Um so größer ist deshalb die Freude über kreative Ausreißer.
  • 3

Ich bin beeindruckt. Seit letzter Woche sehe ich noch besser aus als sonst. Es liegt an einer Wimperntusche (und einer Creme)! Ja. Sie lesen richtig. Ein internationaler Konzern hat nämlich Wimperntusche mit Firmenlogo verschickt. Und es ist kein Kosmetikkonzern, sondern ein Unternehmen aus einer ganz anderen Branche, die nichts mit Kosmetik zu tun hat. Wo ich doch kürzlich erst gelesen habe, dass man Werbegeschenke am besten der Person und der Situation anpasst. Also haben die mich ja gleich richtig eingeschätzt. Von der Konkurrenz habe ich hier noch so einige Kugelschreiber unterschiedlicher Qualität und ausnahmslos hässliche Notizblöcke rumfliegen. Die Wimperntusche hebt sich davon wohltuend ab. Finde ich super. Ein Werbegeschenk, das wirklich einen Zweck erfüllt, bekommt man eigentlich selten bis nie.

Und dabei wird nicht zu wenig Geld ausgegeben für die verschenkten Werbeträger: Bei 3,5 Milliarden Euro haben sich die Ausgaben der deutschen Unternehmen zuletzt eingependelt.
Ein Unternehmen, das mir Wimperntusche schenkt, bleibt mir auf jeden Fall im Gedächtnis, und wahrscheinlich nicht nur mir, sondern allen, die es bekommen haben. Diese Wimperntusche wird benutzt, und wenn mir die Augen bis zur Nordsee tränen! Allein schon, weil die Idee gewürdigt werden muss.

Hier hat sich jemand mal was einfallen lassen, endlich. Und endlich hat jemand verstanden, was so ein Werbegeschenk für einen Sinn haben kann: Dank des Werbegeschenkes prägt sich das Unternehmen unauffällig im Hirn der „Zielperson“ ein. Aufmerksamkeit wecken und im Gedächtnis bleiben heißt die Devise.

Besonders gut eignen sich also Dinge, die häufig benutzt werden. Und das ist bei Frauen nun mal Wimperntusche. Und, nicht zu vergessen, jeder bekommt gerne ein Geschenk. Und da ist es doch mehr als bedauerlich, wenn den Marketingabteilungen nicht mehr einfällt, als der gute alte Plastikkugelschreiber, der Regenschirm, der USB-Stick oder die hässliche Kaffeetasse. Das sind die bekannten Standards. Oder Post-its, die solch einen fetten Werbeaufdruck haben, dass man selbst gar nichts mehr drauf schreiben kann. Kalender. Wer bitte benutzt heute noch Kalender mit Firmenlogo einer Sparkasse? Wer? Unnötiges Geld geben die aus. Es gibt ja wirklich noch mehr Dinge, die man täglich benutzt, als hässliche Kugelschreiber, und die somit im Gedächtnis bleiben würden. Wirklich sinnvoller wären doch zum Beispiel Lippenpflegestifte, Erfrischungstücher oder für Männer eine Augencreme. Aufdruck: „Business Men only“.

Seite 1:

Das Grauen der Werbegeschenke

Seite 2:

Bürotassen werden sofort weggeworfen

Kommentare zu " Die Chef-Beraterin: Das Grauen der Werbegeschenke"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo Frau Wachtel,

    ich bin selber für die Beschaffung von Werbemitteln zuständig. Und was wird von meinen Kollegen aus dem Vertrieb gewünscht? Werbetassen, Kugelschreiber, Zollstöcke und auch immer noch die von Ihnen verpönten Kalender. Und die Kunden freuen sich und nutzen die Artikel auch. So sind wir mit dem Kalender das ganze Jahr auf den Schreibtischen und Wänden unserer Kunden vertreten. Das ist doch klasse. Wir sind im B2B-Bereich tätig, bei Endkunden sieht die Sache vielleicht noch etwas anders aus.

    Und was die von Ihnen so gelobte Wimperntusche betrifft, die würde ich einer Kollegin vermachen (wenn sie sie will) oder ab in den Papierkorb. Gerade bei Körperpflegeprodukten hat doch jede Frau ihre eigenen Ansprüche, da wäre es Zufall, mit einem Werbegeschenk genau den richtigen Treffer zu landen. Aber bei Ihnen hat es ja funktioniert, freuen Sie sich.
    Grüße Dolcevita

  • Hallo Frau Wachtel,
    mit diesem Artikel diskriminieren Sie tausende Marketingleiter und Werbeberater, die für viele Anlässe ein passendes Werbegeschenk für ihre Kunden auf Messen, Events und besonderen Veranstaltungen suchen. Es gibt sehr wohl viele Kunden, die sich über Kugelschreiber, Kaffeebecher und Regenschirme freuen. Ich betreue zum Beispiel einige Kunden, die Kugelschreiber mit Namensgravur bekommen und diese Schreiber voller Stolz seit Jahren bei sich führen. Becher sind mittlerweile zum Kultobjekt geworden und werden in den Firmen gesammelt. Und wer freut sich denn nicht über einen Regenschirm, zum Beispiel einen Taschenschirm fürs Auto oder einen Golfschirm? Und Wimperntusche als kreativen Ausreißer zu sehen halte ich für mehr als gewagt. Es sei denn, Sie nehmen das Wort Ausreißer im negativen Sinne.
    Gruß Werner Winkler

  • Hallo Frau Wachtel,
    ich kann Ihnen beipflichten: Gute Werbegeschenke gibt es selten bis nie!
    In einem Punkt muss ich jedoch widersprechen. Ich arbeite bei einer Sparkasse und wir schenken aus Gründen wie "Umweltschutz" und "Kostenreduzierung" keine Kalender mehr her. Ich selbst kann es nicht nachvollziehen, aber selbst während des Jahres kommen etliche Kunden und Nicht-Kunden und wollen Gratiskalender abstauben.
    Die Wut und Kritik sollten sie an dieser Stelle mal hören. Es lässt sich auf keinen Fall verallgemeinern, dass niemand diese (unnützen) Kalender will.
    Wissen Sie zufällig was männliche Kunden als Werbegeschenk erhalten haben? Über eine Wimperntusche hätte ich mich genauso sehr gefreut wie über einen Plastikkugelschreiber ;)
    Viele Grüße TobHo

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%