Die Chef-Beraterin
Fußball, Idioten und Knochenbrüche

Die Zeit, in der Fußball als Arbeitersport abgetan wurde, ist vorbei. Kollegen fachsimplen im Büro gerne über Abseitsregeln, Doppelpass sowie Torchancen – und gehen gemeinsam ins Stadion. Wenn da nicht die Idioten wären.
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Es gehen tatsächlich viele Menschen zum Fußball, und auch ganz unterschiedliche. Von wegen Arbeitersport, das ist lange her. So wurde es in meinem Wohnort Frankfurt hektisch, als die Eintracht am vergangenen Wochenende nach annähernd 30 Jahren die Chance hatte, den DFB-Pokal zu holen.

Das habe sogar ich mitbekommen: Wer jemanden kannte, der in Berlin eine Wohnung hat, hatte gleich eine hohe dreistellige Zahl neuer Facebook-Freunde. Die wenigen Tickets für das Spiel wurden nach einem komplizierten Verteilerschlüssel unter den Vereinsmitgliedern, Dauerkartenbesitzern, Fanclubs und Glückspilzen vergeben. Der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic gab zu Protokoll, man hätte auch 100.000 statt der verfügbaren 20.000 Tickets unter die Leute bringen können. Stimmt wahrscheinlich sogar.

So. Nun gehen, wie gesagt, viele unterschiedliche Menschen zum Fußball. Hunderttausende... Das entspricht etwas einem Fünftel der Frankfurter Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren. Sie sind Handelsblatt-Leser, damit sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit im Mittelfeld dieser Altersgruppe, Unternehmer möglicherweise, Manager oder Executive. Wenn Sie also 100 Mitarbeiter haben, gehen statistisch gesehen zehn davon zum Fußball; und unter diesen befindet sich ein Idiot. Das erste leite ich aus der Verteilung der Frankfurter Bevölkerung ab; das zweite ist meine persönliche Beobachtung.

Woran erkennen Sie nun den Idioten? Das ist leicht. In diesem Fall sogar sehr leicht: Er fischt sich zum Beispiel aus einer Haribo-Variety-Packung alle Vampire, beißt die Flügel ab (!) und lässt die angespeichelten Lakritzkörper in der Kaffeeküche auf der Arbeitsfläche liegen. Und das habe ich nicht erfunden, das gibt es wirklich.

Stellen Sie sich nun folgendes Szenario vor: Sagen wir, Ihre zehn fußballaffinen Mitarbeiter sind alle Anhänger desselben Vereins. Statistisch unwahrscheinlich, aber der Anschaulichkeit zuliebe gehen wir mal davon aus. Wir drehen die Zeit um eine Woche zurück – zehn leidenschaftliche Eintracht-Fans, alle haben Tickets fürs erste Finale nach fast 30 Jahren (ich weiß, dass das nicht realistisch ist. Ist doch nur ein Beispiel.), alle freuen sich wie Bolle. Das kann man nach Feierabend (Stichwort: „After-Work-Party“) auch mal begießen – gründlich.

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Kommentare zu " Die Chef-Beraterin: Fußball, Idioten und Knochenbrüche"

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  • Zum Glück steht der - von Ihnen sehr treffend beschriebene - Idiot nach dieser Statistik wenigstens "nur" für 1% (also einen von hundert). Hoffen wir mal, das das so hinkommt. Ist eh schon zuviel.

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