Die Chef-Beraterin
Guter Smalltalk, bessere Geschäfte

Smalltalk ist keine Kunst, sondern eine Technik, die man durchaus trainieren kann. Nur bitte, bitte, nicht immer nur über das Wetter reden. Das geht gar nicht! Dann schon lieber über das Kleid von Kim Kardashian.
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Empathie ist eine Hilfe: Wer sich gut in andere hinein versetzen kann, findet schnell eine Gemeinsamkeit oder einen Aufhänger für ein kurzes Geplänkel – im Aufzug, beim Warten, am Tisch.  

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum besagt, dass deutschen Firmen zahlreiche Aufträge aus dem Ausland buchstäblich durch die Lappen gehen  - Grund ist die mangelnde Beherrschung des gebräuchlichen Smalltalks. Da können die Produkte noch so gut sein. Es ist wie in allen Situationen des Lebens: Stimmt die Chemie nicht, findet man keinen Draht zum Gegenüber; und funkt es nicht auf der zwischenmenschlichen Ebene, kommt man auch nicht miteinander ins Geschäft.

Smalltalk ist also wichtig. Zeitgeschehen, Sport, Mode, Auto, meinetwegen auch Kim Kardashian oder Heidi Klum – irgendwas Unverfängliches findet sich immer, wenn man ein paar Minuten nicht schweigend überbrücken möchte. Wie gesagt, es ist eine Technik und wer diese Technik nicht beherrscht, hat abgegessen. Denn nichts ist unangenehmer, als zum Beispiel gemeinsam mit jemanden zum Aufzug zu laufen, am Aufzug zu warten, in den Aufzug zu steigen, fünf Etagen gemeinsam nach oben zu fahren und stumm zu bleiben. Noch schlimmer ist es vielleicht, bei einem Meeting auf den letzten Teilnehmer zu warten und keinen Smalltalk zu beherrschen. Da werden Minuten zu Tagen. Das geht gar nicht!

Aber bitte: Nicht. Immer. Das. Wetter. Ich finde es fast schon schreiend komisch, dass immer, aber auch immer, Regen, Sonne, Nebel, Schnee (hier hat das Wetterthema absolute Hochkonjunktur)  herhalten müssen. Ja. Das Wetter hat uns voll im Griff. Nun gut, es bestimmt letztlich, ob wir einen Regenschirm brauchen, neue Winterreifen oder vielleicht gleich besser zuhause bleiben. So gesehen, hat es natürlich eine Wichtigkeit. Diese kann ich aber gut und gern mit mir ausmachen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich will nicht wissen, wann wem zu heiß, zu kalt, zu schwül, zu verregnet, zu windig ist. Das Wetter scheint sowieso nie, aber auch wirklich nie der Jahreszeit angemessen zu sein, immer ist es aus irgendeinem Grund unpassend. Das netteste, was man hört, ist: „Heute ist es wenigstens nicht so…“.

Gerade so, als wären wir hier konstant von naturkatastrophenähnlichen Witterungsverhältnissen gebeutelt. Es vergeht kein Tag ohne Wetter.

Eigentlich sprechen wir doch gar nicht über das Wetter am liebsten, sondern über uns – wobei vielleicht ist da das Wetter-Thema das kleinere Übel. Man sollte es nur professionalisieren: „Ich sehe seit Tagen nur diese Altokumili, ich denke, das Wetter wird noch einige Zeit unverändert bleiben“; „Oh, eine Zirruswolke, ob sich da mal nicht mit der nächsten Warmfront auch gleich Regen ankündigt?“ Das würde dem Ganzen ein wenig Substanz verleihen.

Oder eben doch das Kleid von Kim Kardashian.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Sabina Wachtel
Sabina Wachtel
/ Kolumnistin, Unternehmerin

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