Die Chef-Beraterin
Let’s talk about Sex, Baby!

Über Geld sprechen die Deutschen nicht gerne. Viel schlimmer jedoch: Auch Geldanlage ist für sie ein Langweilerthema. Schuld daran ist auch die Sprache der Finanzmanager. Wie es sich besser machen lässt.
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Geld ist ja gemeinhin ein eher unbeliebtes Thema. Viele kennen nicht einmal das Gehalt des besten Freundes oder der besten Freundin, vom Kreis der engsten Kollegen ganz zu schweigen. Da käme ja nur Neid und Missgunst auf.

Werden Ihre neuen Schuhe bewundert, so erklären Sie schnellstens: „Das war ein Schnäppchen, die waren gar nicht teuer“ (selbst dann, wenn Sie für die Dinger einen mittleren dreistelligen Betrag hingelegt haben). Das sündteure Kleid? Ach, das haben Sie sich schon vor Jahren gekauft. Die Familienkutsche? Unglaublich, mit einem Jahreswagen spart man praktisch noch Geld beim Autokauf. Konkrete Zahlen werden nicht genannt, versteht sich von selbst.

„Über Geld spricht man nicht“ heißt es dann auch gern einmal mit hochgezogenen Augenbrauen – gemeint ist: Über Geld soll man nicht sprechen. Witzigerweise wird der zweite Teil des Zitats, das dem amerikanischen Milliardär Jean Paul Getty zugeschrieben wird, oftmals unterschlagen: „...man hat es.“ Typisch Deutsch, nur das Verbot zu zitieren, den freudvollen Teil aber auszusparen.

Nun hat jüngst eine Emnid-Studie im Auftrag der Postbank gezeigt, dass es für die Menschen in Deutschland kaum ein langweiligeres Thema als Geldanlage gibt. Schlimmer: es nervt. Wer in lockerer Runde über seine Anlagestrategie, Festgeldzinsen oder Portfoliomanagement spricht, läuft Gefahr, dass der Gesprächspartner sich dem Tischnachbarn zur anderen Seite hinwendet. Das ist an sich noch wenig überraschend. Vermutlich wäre der gleiche Effekt leicht mit detaillierten Ausführungen über Mülltrennung, Ölwechsel ohne Hebebühne oder Perspektive und Schatten in der Landschaftsmalerei der Nachkriegszeit zu erzielen.

Nur: Wenn Finanz-Experten sprechen, verstehen alle anderen, ich sowieso, oftmals nur Bahnhof. Das schiere Volumen an Informationen, das der Zuhörer (ich beispielsweise) fähig und willens ist aufzunehmen und zu speichern, wird oft überschätzt. Das heißt konkret: Wer mit einer Masse an Informationen überschüttet wird, merkt sich nur, was ihm ohnehin in den Kram passt. Und ich sage Ihnen warum: Weil es wenige gibt, die das Thema unterhaltsam und verständlich rüberbringen. Das geht gar nicht!

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