Die Chef-Beraterin
Von dünnen Heringen und Moppelchen

Es gibt einen Ernährungstypen, den erkennen Sie sofort: den Veganer. Ihm gelingt es, seine Essgewohnheiten in jede Unterhaltung einfließen zu lassen. Warum er trotzdem keine Ehrlichkeit von Fleischessern erwarten darf.
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Den meisten Kollegen sehen Sie den Ernährungsstil nicht an, das muss man doch mal ganz klar sagen. Wer da Bescheid wissen will, muss schon eine Livecam vor dem heimischen Kühlschrank installieren. Ich kenne dünne Heringe, die in jeder Mittagspause Riesenportionen verschlingen, kann gar nicht fettig, süß und sahnig genug sein. Die sitzen neben dem Moppelchen, das am Salatblatt ohne Dressing mümmelt. Auch die Smartwatch am Handgelenk sagt nach meiner Erfahrung nicht viel aus. Die schmückt auch die klassische Couchpotato, die schon zwei Etagen Treppe statt Fahrstuhl für sportlich hält.

Ich kenne Hipster mit Hang zum Bohneneintopf; Seite an Seite mit dem hanseatischen Weißwurstfan und dem Makrobiotiker, der aus einer fränkischen Bauernfamilie stammt. Man weiß eben nie, wo die Leute so ihre Gewohnheiten entwickeln.

Einen Ernährungstyp jedoch, den erkennen Sie sofort. Das ist der Veganer. Sie müssen gar nicht seine reine Haut, das glänzende Haar oder die schlanke Linie deuten. Es ist auch nicht sein ausgeglichenes Gemüt, das Ihnen den entscheidenden Hinweis gibt. Nein, Tatsache ist: Er wird es Ihnen selber sagen! Ja. Er wird es nicht schaffen, das auch nur die ersten 20 Minuten zu verschweigen, die Sie zusammen in einem Raum verbringen. Dabei hält sich der missionarische Eifer des Veganers gemeinhin sogar in Grenzen.

Naja. Fast. Die Crossfit-Fanatiker sind mit ihren Paleo-Steaks und Sellerie-Smoothies militanter. Der Veganer ist in seinem unermüdlichen Mitteilungsbedürfnis völlig unaufgeregt und auch tolerant anderen gegenüber („Ich habe früher auch ab und zu ein Ei gegessen“ oder „Also, ich könnte das nicht mehr essen, aber lass du es dir schmecken, ist bestimmt lecker“).

Wirklich. Ich habe nichts gegen Veganer. Wer mich kennt, weiß um meine Sympathien. Auf Instagram sind meine veganen Yogaübungen legendär. Und ich muss sagen: Die Veganer haben Humor!

Nur wundere ich mich, wie die das immer wieder hinbekommen mit dem „Ich-bin-ein-Veganer-und-ich-stehe-dazu-und-sag-das-auch-gleich“. Völlig ohne inhaltlichen Anknüpfungspunkt schaffen sie es immer innerhalb kürzester Zeit Sätze in jede Unterhaltung einfließen zu lassen wie: „Für mich hat das mit der veganen Ernährung auch erst mit vier oder fünf Jahren so richtig angefangen, als ich verstanden habe, woraus Fleisch gemacht wird.“

Was erreichen sie damit? Wenig. Alle haben ein schlechtes Gewissen, während sie das Steak vom Knochen nagen. Dennoch nagen sie natürlich brutal weiter. Zudem beteuert jeder Fleischesser dann sofort, dass er ja nur ganz, ganz selten Fleisch isst und dann auch auf beste Qualität achtet. Randbemerkung: Die in Umfragen bezeugte Bereitschaft von Menschen, mehr Geld für Tierprodukte aus artgerechter Haltung auszugeben, steht in keinem Verhältnis zum tatsächlich verzeichneten Umsatz im Einzelhandel. Liebe Veganer: Rechnen Sie bitte nicht mit Ehrlichkeit, wenn Sie mit Fleischfressern sprechen. Das geht gar nicht!

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Von dünnen Heringen und Moppelchen

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Ohne Ei, aber trotzdem fluffig

Kommentare zu " Die Chef-Beraterin: Von dünnen Heringen und Moppelchen"

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  • @G. Nampf

    Sehr geehrter Herr Nampf,
    es ist bedauerlich, dass Sie noch nie noch nie die Möglichkeit hatten mit einem Veganer zu sprechen, ohne das Gefühl zu haben missioniert zu werden. Ich zum Beispiel glaube nicht, dass man Menschen von Außen zu veganer Ernährung 'überreden' kann, sondern dass die Entscheidung dazu von Innen heraus getroffen werden muss. Freiwillig, ohne Zwang.
    Ich habe allerdings auch festgestellt, dass es manche Menschen gibt, die ganz bewusst in eine Diskussion über vegane Ernährung einsteigen mit dem Ziel diese zu diffamieren (''Veganer sind einfach nur nervig''). Wenn es dann allerdings um den Austausch von Argumenten geht, stehen die Gegner sehr schnell im Abseits und es scheint der 'Veganer an sich' möchte missionieren.
    Ich möchte hier auch gar nicht behaupten, dass die Argumente pro Vegan durchweg inhaltlich richtig sind, aber es sind deutlich mehr aufgrund der bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema. Da es im Internet unzählige Diskussionen für oder gegen vegane Ernährung gibt hör ich hier jetzt auf, aber ich wünsche mir, dass Sie vielleicht irgendwann Aussagen wie oben zitierte z.B. zu einer solchen: ''Die Veganer die ich kenne sind einfach nur nervig'' umformulieren können.

  • Pardon : es muß heißen:".. ohne missioniert zu werden" ... ;-)

  • @ Julian Steinhaus10.05.2017, 11:17 Uhr

    "Durch das Gespräch denkt man zwangsläufig über die eigene Ernährung nach und wird sich dessen bewusst. Das ist für mich dann schon ein kleiner Erfolg."

    Als bekennender Fleischgenießer denke ich sehr viel über das nach, was ich esse. Ich esse auch gerne vegetarisch.

    Leider kann man mit Veganern nicht "reden" ohne deren Missionierungsversuchen zu entkommen.

    Veganer sind einfach nur nervig.

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