Die Chef-Beraterin
Vorsicht, Dauerallure!

Gerade im Monat Mai empfehle ich Ihnen besser nicht, mit Ihren Mitarbeitern essen zu gehen. Mit Ihren Klienten auch nicht.  Schon gar nicht abends, schon gar nicht mitten in der City! Denn Sie könnten „ihnen“ begegnen.
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Vor langer, langer Zeit waren Junggesellenabschiede Events betrunkener Männer, die grölend durch die Kneipen zogen. Durch Kneipen, die zu umgehen mir leicht fällt. Es gab nur wenige Berührungspunkte zwischen den Junggesellenabschieden und mir. Während sich aus diesen grölenden Männerhorden heraus ein Trend zur Event-Kultur entwickelte – die Spannbreite würde ich etwa zwischen pedalbetriebenem Biermobil und Fallschirmspringen verorten – dominieren seit einigen Jahren, der an sich löblichen Gleichberechtigung sei Dank, die weiblichen Pendants die abendlichen Innenstädte. Und die sind so ein bisschen gnadenloser.

Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass Wirte günstig gelegener Lokale auf 20 bis 25 Junggesellinnenabschiede an einem Samstagabend kommen. Aber auch unter der Woche feiern die Junggesellinnen ihren Abschied, als gäbe es kein Morgen. Der Trend hat (typisch Frau!) sehr serviceorientiert angefangen: Die Damen liefen rum, man musste Schnaps für einen Euro kaufen oder sich die Fingernägel lackieren lassen, der Braut einen Kuss auf die Wange geben oder eine Rose schenken. Da habt ihrs den Kerlen aber mal so richtig gezeigt!

Ich habe den Verdacht, dass die kleinen Dienstleistungen angesichts der schieren Masse nicht dauerhaft gut angekommen sind. Jedenfalls beobachte ich seit einiger Zeit einen Trendwandel: Man macht eigentlich gar nichts mehr Spezielles, sondern bestellt sich einfach ein Set T-Shirts in Pink mit einem lustigen Spruch drauf, der irgendwas mit Heiraten zu tun hat („Game over“ ist noch eines der harmlosesten Shirts). Die zukünftige Braut haut sich einen Schleier auf den Kopf und zieht samt T-Shirt („ICH heirate, die anderen sind nur zum Feiern dabei!“) ausgestattet um die Häuser. Vielleicht ein bisschen laut, aber weitestgehend ohne die Außenwelt zu belästigen.

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