Die Chef-Beraterin
Was hat der Pin am Hemdkragen verloren?

Krawatten in Unternehmensfarben gibt es in vielen Konzernen. Doch nun taucht auch noch Ansteckpins immer öfter am Revers auf. Stilexpertin Sabina Wachtel findet: Am Hemdkragen hat das Unternehmenslogo nichts verloren.
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Dass ich es grundsätzlich gutheiße, wenn jemand sein Unternehmen (seine Partei – oder überhaupt: seine Marke) mit seinem gesamten Erscheinungsbild nach außen trägt, ist kein Geheimnis. Modernes zeigt sich nicht in Krawatten mit Comic-Print; wer sich Respekt verschaffen will, tut dies in angemessener Kleidung. Das alles ist eine Frage des Stils, und der zeigt sich im Detail. Das ist das eine.

Das andere ist, wenn man es mit dem Holzhammer zeigen will. Gelbe Krawatten bei der Commerzbank, Blau-Gelb gestreifte bei der Postbank – und das nicht nur am Schalter. Es gibt zweifellos Berufsgruppen, für die der konsequente Corporate Look sinnvoll ist. Flugbegleiter zum Beispiel, oder Zugbegleiter. Der Lokführer trägt ja neuerdings Freizeitkleidung. Haben Sie nicht gewusst? Doch. Isso.

Neulich wollte ich mir im ICE-Bordrestaurant einen Kaffee holen. Kam ein Typ in Jeans und Poloshirt von der Seite angezischt und fragte, ob er kurz vor mir dürfe – er müsse gleich den Zug fahren. Er sah meinen ungläubigen Blick und erklärte: Die Bahn habe für die Zeit, die man zum Umziehen braucht, nicht zahlen wollen, und stattdessen die Kleiderordnung für Lokführer aufgehoben.

Wintersport, Leichtathletik, Motorsport? Im Spitzensport zeigt man sich gern als wandelnde Werbefläche. Sportler und andere Prominente sind für die werbenden Unternehmen bekanntlich lukrativ. Und manchmal unterhaltsam. Reiner Calmund mit dem Anstecker einer Fitnesskette am Revers… Am Revers? Ach, genau: Das wäre dann noch so ein zweifelhaftes Phänomen, auf das ich an dieser Stelle aufmerksam machen möchte.

Menschen, denen (zum Beispiel) Gelb als Unternehmensfarbe für die Wahl der Bekleidung unpassend erscheint, deren magentafarbene Krawatte einen Fleck hat, deren Dresscode unverrückbar Business vorschreibt – die greifen neuerdings gern zum Pin fürs Revers. Sei es das eigene Unternehmen oder das Werbeprodukt: Zack, zack schmückt das Logo den Kragen des Jacketts. Ich finde: Das geht gar nicht!

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Anstecknadeln spiegeln falsche Tatsachen vor

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