Die Chef-Beraterin
Wein oder Wasser?

Was tun, wenn der Gastgeber beim Geschäftsessen eine gute Flasche Wein bestellt? Mitsaufen? Abwinken? Empört aufstehen und den Tisch verlassen? Wie Sie peinliche Alkoholmomente perfekt meistern.
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Frau K. fiel etwas auf, bei einem mehrtägigen Workshop mit der Unternehmensmutter in England. Nämlich, dass vieles schon beschlossen schien, wenn es nach einer Pause weiterging.

Das lag daran, dass die Raucher sich in der Zigarettenpause untereinander wohl immer weitestgehend geeinigt hatten. Fortan hat Frau K. an jeder, aber auch jeder, dieser Raucher-Pausen teilgenommen - und fand ihre Position von da an tatsächlich deutlich besser in den Ergebnissen repräsentiert.

Gleiche Gruppe drei Monate später in Frankfurt mit Abendprogramm. Man zieht um die Häuser. Frau K. denkt sich: Da unterschreiben die abends wahrscheinlich gleich die Verträge! Mist. 15 Stunden-Tag hin oder her, ich muss mit. Ich muss!

Gesagt getan. Nach der zweiten Runde Bier innerhalb von weniger als 30 Minuten merkt Frau K., dass sie in dem Tempo mit Sicherheit vor Mitternacht nicht auf dem Tisch tanzt, sondern unter dem Tisch liegt - zumal ja irgendwann unweigerlich die „Verdauungsgetränke“, sprich härtere Geschosse, ins Spiel kommen werden.

Sie überlegt sich eine Strategie: Ehe der erste 'piep' machen kann, bestellt sie Erdbeerlimes für alle. Die Gruppe, männlich, nicht unhöflich, trinkt nach dem Motto „wir haben ja eine Frau dabei“ gönnerhaft das ‚Mädchenzeug‘ mit. Und Frau K. liegt richtig... Damit können die Männer nicht umgehen: Weil die nämlich denken, sie trinken Saft, kippen sie sich relativ schnell ein paar Runden hinter die Binde (zumindest schneller als den geplanten Wodka), fangen an zu lallen und wollen tatsächlich bald nach Hause. Bingo. Frau K. feiert das irgendwie als Sieg über die Saufkultur. Aber irgendwie auch arm. Ganz schlimm eigentlich.

Regeln machen das Leben einfacher. Ja, und es gibt Regeln bei einem Geschäftsessen. Sehr viele sogar. Und die sind gar nicht schlecht. Eine der Regeln zum Beispiel ist, dass derjenige, der einlädt, eine Vorspeise, ein Hauptgericht und eine Nachspeise bestellt. Egal, ob er gerade ein Schwein gefrühstückt hat. Das ist höflich und gibt den anderen, die vielleicht vor Hunger umkommen, dann ebenfalls die Möglichkeit ordentlich was zu essen - ohne das es peinlich ist. Soweit so gut. Nehmen wir an, das hat der Gastgeber auch alles so gemacht zum Lunch, aber jetzt ordert er noch eine gute Flasche Wein? Was machen? Mitsaufen? Empört aufstehen und den Tisch verlassen?

Kommentare zu " Die Chef-Beraterin: Wein oder Wasser?"

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  • Dies war das 3. und letzte Mal das ich mit der Kolumne der "Chef-Beraterin" meine Zeit vergeudet habe.
    An Belanglosigkeit und Naivität nur schwerlich noch zu überbieten. Kriegen wir demnächst auch noch Heidi Klumm hier als Kolumnistin?
    Welche Chefs lassen sich auf so flacher, inhaltsleerer und wenig selbssicherer Ebene coachen?
    Hoffentlich lerne ich nie einen davon kennen.

  • Wow, wie ich "peinliche akloholmomente perfekt meistere" habe ich aber immer noch nicht gelernt...oder habe ich was überlesen?...Vielleicht mache ich mir auch deutlich weniger Gedanken als die Kolumnistin hier oder die Klientel, die von ihr beraten wird, wenn ich Wein oder auch mal Zigaretten ablehne.
    Ein höfliches "Nein Danke" hat noch keinen meiner Essens-Gastgeber in eine verzwickte moralische Lage gebracht...Eine gewisse Souveränität setzt diese Art der Verhaltensweise freilich voraus.

  • oh-oh,
    ich hoffe, diese Ergüsse wurden nicht auch noch honoriert.
    Schlimm!
    Wer keinen Alkohol trinkt, trinkt keinen. Egal in welcher Kultur, mit welchen Leuten und aus welchen Gründen auch immer.
    Es gibt Dinge, die man nicht abwägen oder berücksichtigen muss, nur weil sich irgendjemand fühlen könnte wie wir denken, dass er sich fühlt und wir dadurch möglicherweise einen Nachteil haben können könnten...usw.

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