Die Chef-Beraterin
Wenn der Tischnachbar mehr verdient

Gleicher Job, gleiches Gehalt? Schön wär's. Der eine verdient mehr, der andere weniger. Gefühlt ungerecht, aber oft eben nur gefühlt. Was gegen den Gehaltsfrust hilft und was sicher nicht.
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Es passiert überall in Deutschland. In ganz vielen Unternehmen. Zwei Frauen, Frau Plan und Frau Los (könnten auch zwei Männer oder ein Mann und eine Frau sein) sitzen sich seit Jahren an ihren Schreibtischen im selben Büro gegenüber. Beide hatten beim Einstieg die gleiche Stellenbeschreibung: Projektmanagement. Aber wie es so ist: Der eine Mensch ist so, der andere anders.

Frau Los macht größtenteils Dienst nach Vorschrift; wenn sie sich nicht gerade bei allen, die in Hörweite sind, darüber beklagt, wie schwer sie es hat. Frau Plan allerdings mischt überall mit, schaut, bei wem es wie läuft, welche Prozesse man wie verbessern könnte, wo man sich Input und Kompetenz herholen kann. Wo man besser delegiert, was ist wichtig, was kann liegen bleiben. Sie ist hochmotiviert und packt an, wo es nötig ist.

Während Frau Los konstant das Gefühl hat, am Limit zu arbeiten, kann Frau Plan ihre Leistung realistisch einschätzen. Sie weiß, was sie gut kann, und was sie besser andere machen lässt. Und sie klotzt ran, wenn es nötig ist.

Als nach einer überraschenden Kündigung eines Kollegen mehr Arbeit da ist als Leute, um sie zu erledigen, jammert Frau Los eigentlich nur noch über die viele, viele Arbeit. Frau Plan schreitet mal wieder zur Tat. Sie organisiert sämtliche Abläufe neu, um die anfallenden Aufgaben zu bewältigen. Kurz gesagt: Die eine schuftet, die andere klagt.

Aber nicht nur das. Frau Plan forciert auch ein Gehaltsgespräch mit ihrem Chef. Sie ist gut vorbereitet, hat gute Argumente, warum sie mehr Geld verdienen sollte. Ja, das Gespräch läuft gut für sie. Und ihr Chef ist bereit, das Mehr an Leistung zu honorieren – er stimmt der Gehaltserhöhung zu. Der guten Ordnung halber wird die Vereinbarung schriftlich festgehalten. Und weil seine Assistentin nicht da ist, kopiert der Chef selbst, drückt ihr die Kopie in die Hand und lässt das Original versehentlich auf dem Kopierer liegen.

Dort sieht es jemand, nämlich Frau Los. Ein Blick auf die Zahl, die am Schluss des Dokuments steht. Eine harte Konfrontation mit der Realität. Sie nimmt das Papier mit ins Büro, knallt es ihrer Kollegin auf den Tisch: „Sag, dass das nicht wahr ist.“ Ist es aber. Und dies sind für Wochen die letzten Worte, die sie mit ihrer Kollegin spricht.

Viele Arbeitnehmer empfinden es als ungerecht, wenn ein Kollege einen Bonus oder eine Lohnerhöhung erhalten hat und sie nicht. Das sorgt dann naturgemäß für Unzufriedenheit. Die individuelle Unzufriedenheit geht nicht selten in ein allgemein schlechtes Arbeitsklima über. Dabei ist – wie so oft – auch hier Handeln wirkungsvoller als Meckern.

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Nörgeln und Jammern hilft nicht

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  • Ich habe kein Problem wenn die bessere Leistung meiner Kollegen auch besser bezahlt wird. Ob alle Arbeitgeber die Mehrleistung auch erkennen ist wieder eine andere Frage.

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