Die Chef-Beraterin: Wer mit dem Pförtner Bockwurst isst, macht sich verdächtig

Die Chef-Beraterin
Die Kantine als Kampfzone

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Wer mit dem Pförtner Bockwurst isst, macht sich verdächtig

Ich unterteile die Speiseplan-Experten (also alle) in drei Typen: Da wäre der Zufriedene (kommt eher selten vor): Er ist glücklich, so wie es ist. Wo sonst bekommt man ein ordentliches Mittagessen mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch für maximal, aber wirklich maximal, 10 Euro? Er probiert alles aus, freut sich über jede neue Themenwoche. Seine Frau schätzt die Kantine noch mehr, weil sie ihm dafür abends nichts kochen muss.

Dann kommen wir zum Meckerer. Er nutzt die Kantine jeden Tag. Ein Unternehmen ohne Kantine wäre für ihn unvorstellbar. Dennoch meckert er täglich über das Essen. Die Suppen sind immer kalt, das Essen zu lasch und der Nachtisch liegt ihm noch nachmittags schwer im Magen (letztens rief ein genervter Kollege: „Dann lass ihn doch weg, würde Dir eh guttun!“). Seine Frau muss sich das Gejammer natürlich auch jeden Tag anhören.

Dann haben wir noch den Meister der Verbesserungsvorschläge, den Klugscheißer: Warum sind die Wege so lang? Warum nicht mehr Personal zwischen 12 Uhr und 14 Uhr? Warum kann man nicht die vegane Ecke separieren und dafür die Salattheke näher an das allgemeine Büffet drapieren („Wir Fleischesser essen ja meistens auch Salat“)? So was halt. Er hat keine Frau.

Alles in allem ist das extrem anstrengend. Diejenigen, die mit ihrem Croissant mittags die Tastatur vollkrümeln, werden schräg angeschaut. Diejenigen, die eine ganze Mahlzeit ausfallen lassen und dafür den zweiten Liter Kaffee zur vierten Zigarette bevorzugen, sowieso. Das Haus verlassen zum Lunch ist nur in Verbindung mit einem Kundengespräch akzeptabel. Wer mit dem Pförtner eine Bockwurst isst, macht sich verdächtig.

Lassen Sie uns doch einfach mal einen Gang zurückschalten. Was macht ein Handwerker in seiner Mittagspause? Er setzt sich in sein Auto (bei gutem Wetter auch einfach irgendwo hin), holt seine Zeitung raus, isst seine mitgebrachte Stulle, eventuell beißt er noch in einen Apfel. Vielleicht macht er noch einen kleinen Power-Nap. Ende Gelände. Der macht es jedenfalls am entspanntesten.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

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