Die Chef-Beraterin
Wie alternde Schlagersänger!

Männerkosmetik füllt ganze Regale in den Drogerien, und wir Frauen wissen gepflegte Männer wirklich zu schätzen. Aber alles hat Grenzen. Und eine kosmetische Korrektur ist fast so schlimm bei Männern wie ein Cabrio.
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Die Zeiten, als man den gepflegten Mann an der aufdringlichen Duftmischung aus Brisk Frisiercreme und Irish Moos erkannt hat, liegen zwei Generationen zurück. Männerkosmetik füllt ganze Regale in den Drogerien, Werbung für Männerkosmetik läuft zur besten Sendezeit, die Testimonials sind Schauspieler, Spitzensportler und sonstige Celebrities. Irre, diese Entwicklung.

So kann es passieren, dass man in einem Meeting sitzt und sich gar nicht konzentrieren kann, weil Herr Früst, mit dem man schon so lange zusammenarbeitet, sich total weiterentwickelt hat. Aber so was von total.

Ok. Wir wissen wirklich zu schätzen, wenn Männer gepflegte Fingernägel haben, akkurat gestutzte Bärte oder einen ordentlichen Haarschnitt. Eine Sache gibt es aber, die funktioniert leider nicht, auch nicht bei Herrn Früst, nämlich: Haare färben! Irgendwo habe ich gelesen, dass Männer mit gefärbten Haaren immer wie alternde Schlagersänger oder verkniffene Steuerfachangestellte aussehen. Deshalb die Bitte an die Männerwelt: Färbt Euch nicht die Haare. Das geht gar nicht!

Am liebsten würden ich dem sympathischen Herrn Früst zurufen: Jetzt weiß ich, wie es Männern geht, wenn sie Frauen in Uggs sehen. Genauso schlimm finde ich nämlich jetzt die Haare von Herrn Früst. Wie kann etwas an Frauen so großartig und an Männern so doof aussehen?

Die Hersteller wollen den Männern hier augenscheinlich Anderes weismachen: Man nehme die exakt gleichen Produkte, die man bisher an Frauen verkauft hat, schraube ein wenig am Design und schon hat man die Herren-Variante – natürlich muss der Text geändert werden: „Blenden Sie graue Haare einfach aus“, haha Ausblenden! oder „Lassen Sie graue Haare einfach verschwinden“. Am besten gefällt mir eigentlich: „Reaktivieren Sie einfach Ihre natürliche Haarfarbe“.

Haben Sie’s gemerkt? Genau. Erstens: Männer sind, wenn überhaupt, nur zum Haarefärben zu bewegen, wenn man es nicht Haarefärben nennt (wahrscheinlich wissen sie im Grunde ihres Herzens, dass sie ein Tabu brechen). Zweitens: Es muss ganz, ganz einfach sein. Denn ein Mann würde sich nicht, so wie wir Frauen, anderthalb Stunden im Bad beschäftigen um – siehe oben – seine grauen Haare auszublenden.

Kommentare zu " Die Chef-Beraterin: Wie alternde Schlagersänger!"

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  • Sabine Wachtel hat keine Ahnung, aber eine Meinung. Meine Haare werden langsam grau, aber mich stört es nicht. Natürlich würde ich sie färbern, wenn ICH mir damit besser gefallen würde. Und ja, ich habe (auch) ein Cabrio, einen schönen Oldtimer. Damit zu fahren, macht einfach Spaß. [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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