Chefposten
Hektischer Wechsel an der Unternehmensspitze

Das Personalkarussell dreht sich immer schneller. An der Spitze von Beiersdorf, Bertelsmann und Metro wechseln die Chefs. Das seltsame Verhalten deckt die Schwäche der Aufsichtsräte auf.

DüsseldorfDeutschlands Vorzeigeunternehmen bieten in diesen Tagen ein seltsames Schauspiel. Vorstände werden in aller Öffentlichkeit demontiert, Gesellschafter kämpfen mit harten Bandagen um Einfluss. Mächtige Aufsichtsräte geraten ins Schleudern, weil ihnen Aktionäre in die Parade fahren, gestandene Manager irren hilflos zwischen den Paragrafen herum - sie haben ihre gesetzlichen Pflichten und Rechte aus den Augen verloren.

Jahrelang lief das Personalkarussell in den Spitzenetagen reibungslos. Selbst in extrem schwierigen Fällen, beim korruptionsgeschüttelten Siemens-Konzern oder beim Chrysler-geschädigten Daimler, ging der Austausch des Führungspersonals glatt über die Bühne. Bei Siemens zweifellos mit heftigen Erschütterungen. Was mit dem Staatsanwalt am Vorstandstisch auch nicht wundert. Klare Regie führten dabei aber die Aufsichtsratschefs, damals Hilmar Kopper bei Daimler und Gerhard Cromme bei Siemens.

Davon kann heute keine Rede sein. Keine Frage, bei Metro oder RWE liegen die Dinge etwas anders. Großaktionäre spielen im Hintergrund mit. Sie haben jedoch vergessen, dass sie die Macht mit anderen Aktionären teilen müssen. Was die Haniels bei Metro wollen oder die Kommunen bei RWE, das ist lange nicht im Interesse aller Aktionäre. Diesen Konflikt zu lösen - und zwar möglichst geräuschlos - ist ureigenste Aufgabe eines Aufsichtsratschefs.

An dieser Stelle hapert es. Die natürliche Autorität der Chefaufseher alten Schlages schwindet, je professioneller die Aufsichtsgremien werden. Und genau das sollen sie ja. Der Abnickverein war gestern. Wer aber starke Firmenkontrolleure installiert, der muss damit rechnen, dass sie den Führungsanspruch ihres Chefaufsehers oder die Kompetenz des mächtigen Vorstandschefs infrage stellen. Das hat sich früher kaum einer getraut. Nur: Die neuen Rollen sind noch nicht richtig eingeübt. Das Gerangel in Deutschlands Führungsetagen entlarvt die Schwäche der Aufsichtsratsvorsitzenden. So verliert Deutschlands größter Handelskonzern, die Metro, seinen Chef Eckhard Cordes nach wochenlangem Hickhack um seine Vertragsverlängerung. Zwei Familien - Haniel und Schmidt-Ruthenbeck - können sich nicht einigen, ob sie ihn weiterbeschäftigen wollen.

Nun ist alles unklar. Cordes will nicht länger, und die Großaktionäre sind zerstritten. Zwischen den Fronten agiert ein glückloser Jürgen Kluge, der als Haniel-Vorstand die Interessen der Familie vertritt. Eigentlich ist Kluge als Chefkontrolleur der starke Mann bei Metro. Seine Aufgabe wäre es gewesen, die divergierenden Interessen im Metro-Aufsichtsrat zu lenken und die Führungsfrage reibungslos zu klären. Hat er aber nicht.

Ganz anders die Chaostage im Stromkonzern RWE. Dessen Aufsichtsratschef Manfred Schneider schrammte nur knapp an einem Eklat vorbei, weil der Großaktionär, eine Gruppe von Städten und Gemeinden aus NRW, einen neuen Vorstandschef gegen den Willen Schneiders durchdrücken wollte. Die übrigen Mitglieder der Kapitalseite des RWE-Aufsichtsrats standen kurz vor dem Rücktritt. Das wäre einmalig in der Geschichte eines Dax-Konzerns gewesen.
Am Ende setzte sich der machtbewusste Schneider durch - zum Glück. Als Kompromiss wird nun der Kommunalkandidat Stellvertreter des künftigen RWE-Chefs - wenn er denn noch will. Auch bei RWE herrscht nur Burgfrieden. Der Machtkampf wird wieder aufflammen, wenn die Entscheidung über Schneiders eigene Nachfolge ansteht. Und das wird schon bald der Fall sein.

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Machtkämpfe bei der Deutschen Bank

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