Chefstratege kommt in den Zentralvorstand
Stühlerücken im Siemens-Vorstand

Siemens-Chef Heinrich von Pierer übernimmt höchstpersönlich die Verantwortung für die kriselnde Hightech-Sparte Information und Kommunikation (I+C). „Die betroffenen Bereiche sind in der entscheidenden Phase ihrer Zukunftssicherung“, sagte ein Siemens-Sprecher am Mittwoch in München. Daher übernehme der Chef selbst das Ruder. Auf einer Aufsichtsratssitzung wurden weitere wichtige Personalentscheidungen getroffen.

HB/dpa MÜNCHEN. So rückte der Konzern- Stratege Johannes Feldmayer in den Zentralvorstand auf. Der 46- Jährige gilt als ein möglicher Kronprinz Pierers. Neuer Personalvorstand wird ab 1. August Jürgen Radomski, der bereits für Medizintechnik und Osram verantwortlich ist. Der bisherige Personalvorstand Peter Pribilla geht aus persönlichen Gründen.

Der bisherige I+C-Chef Volker Jung geht im Herbst in den Ruhestand. Zu seinem Arbeitsgebiet, das das größte und wichtigste bei Siemens ist, gehören die Mobilfunk-Sparte ICM, der Netzwerk-Bereich ICN und der IT-Dienstleister SBS. Als Favoriten für seine Nachfolge galten lange die Bereichs-Leiter Rudi Lamprecht (ICM) und Thomas Ganswindt (ICN). Auch dem SBS-Vorsitzenden Paul Stodden wurden Chancen eingeräumt. „Jeder wäre für die Nachfolge in Frage gekommen“, sagte der Siemens-Sprecher. „Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es aber ungut, einen der drei aus seiner Verantwortung zu nehmen.“ Daher werde Pierer die Betreuung kommissarisch übernehmen.

Als wichtiges Signal für den anstehenden Generationswechsel wird die Berufung Feldmayers gewertet. Der Stratege ist künftig auch für das Europageschäft verantwortlich. Damit erhalten Spekulationen über seinen Aufstieg an die Konzernspitze neue Nahrung. Pierers Vertrag läuft im Herbst 2004 aus. Mittlerweile wird es aber für möglich gehalten, dass der 62-jährige noch einmal für zwei Jahre verlängert.

Seinen Posten räumen muss der bisherige Bereichs-Chef der Gebäudetechnik-Sparte SBT, Oskar Ronner. Konzern-Chef Pierer hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass er mit seiner Arbeit unzufrieden war. SBT war zuletzt weit von den Rendite-Zielen entfernt. Ronners Nachfolger wird Heinrich Hiesinger. Der 43-Jährige hat bei der Sanierung des Bereichs Energieübertragung Erfolge erzielt. Den Vorsitz dieses Bereichs übernimmt Udo Niehage, der bisher innerhalb des Bereichs für die Sparte Mittelspannung verantwortlich war.

Den größten Aufräumbedarf hat Siemens derzeit im Bereich der Kommunikations-Sparten. ICM ist mit einem weltweiten Handy- Marktanteil von unter zehn Prozent nach Ansicht vieler Beobachter zu klein und schrieb ebenso wie SBS zuletzt nur einen kleinen Gewinn. Größtes Sorgenkind ist ICN. Der hoch defizitäre Bereich leidet ebenso wie die Konkurrenz unter den drastischen Nachfrageeinbrüchen von Seiten der Telekommunikationsfirmen. Für Siemens ist die Telekommunikationstechnik das traditionelle Stammgeschäft, aus dem der breit aufgestellte Konzern entstanden ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%