Chefvolkswirt der Commerzbank
Ulrich Ramm: Ein Regisseur tritt ab

Der „behutsame Regisseur“ der Commerzbank, Ulrich Ramm, gibt am Mittwoch nach 36 Jahren im Dienst der Frankfurter Großbank seinen Abschied. Damit geht der letzte Chefsprecher eines großen Kreditinstituts, der sowohl die volkswirtschaftliche Abteilung als auch die Kommunikationsarbeit verantwortete.

ben HB FRANKFURT. „Ramm ist das institutionalisierte Wissen nicht nur für die Commerzbank“, sagte Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Der heute 63-Jährige trat 1969 in Berlin in die Bank ein und war seit 1982 erst stellvertretend und ab 1987 allein verantwortlich Chef der Zentralen Abteilung Volkswirtschaft und Kommunikation in Frankfurt. In dieser Zeit war er Sprachrohr für die Vorstandschefs Walter Seipp, Martin Kohlhaussen und Klaus-Peter Müller. „Er hat die Kommunikation der Commerzbank auch in schwierigen Zeiten auf Linie gehalten und es geschafft, medial durchaus sehr unterschiedlich begabte Chefs in der Presse sehr gut aussehen zu lassen“, sagte Jürgen Pitzer, Pressesprecher der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Ramm hatte seinen letzten großen Auftritt bei der Übernahme von Europas größter Immobilienbank Eurohypo. Mit sichtlicher Genugtuung verkündete er diese Akquisition als Signal, dass die viel zitierte „Krise“ der Commerzbank endgültig ausgestanden ist.

Zu den größten Herausforderungen Ramms gehörte die Abwehr der Investorengruppe Cobra, die 2000 eine Filetierung der Bank plante. „Jeder Vorstand bekam vor der Hauptversammlung eine detaillierte Telefonliste, um Investoren zu überzeugen und zur Hauptversammlung einzuladen“, erinnert sich Ramm. Die Folge war eine für deutsche Verhältnisse sensationelle Anwesenheitsquote von gut 60 Prozent. Cobra konnte so keinen Abstimmungserfolg einfahren.

In volkswirtschaftlichen Dingen gilt Ramm als geradlinig, konkret und schnell in der Umsetzung. So setzte er 1992 mit den Kollegen Norbert Walter und Ernst Moritz Lipp von der Dresdner Bank innerhalb von zwölf Stunden die auf einem Stehempfang geborene Idee eines Manifestes für den Euro um. Die drei Chefvolkswirte traten damit energisch einer Gruppe von 60 Professoren entgegen, die sich gegen die heiß diskutierte europäische Währungsunion gewandt hatten.

Für seinen Ruhestand hat der bekennende Workaholic noch keine Pläne. „Ich gebe mir erst einmal ein Quartal Feldforschung, um zu sehen, was mir Spaß macht“, sagte Ramm.

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