Chefwechsel bei Sanofi-Aventis
Rock ’n’ Roll, Rugby und Rezepte

Auf den ersten Blick haben der kommende und der scheidende Chef des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis wenig gemein. Dennoch funktioniert das Teamwork zwischen dem neuen Mann, Gérard Le Fur, und Jean-François Dehecq.

PARIS. Gérard Le Fur, 55, trägt selten Krawatten, spricht leise und ist von schmaler Gestalt. Sein Vorgänger dagegen, Jean-François Dehecq, 66, stets im edlen Zweireiher, dominiert allein mit seinen 1,97 Meter und der dröhnenden Stimme sein Umfeld. „Wir ergänzen uns oft“, beschreibt Le Fur ihr Verhältnis.

Am 1. Januar soll der derzeitige Forschungsvorstand Le Fur nun die Führung des französisch-deutschen Pharmariesen von Dehecq übernehmen. Dieser wird aber weiter ein Auge auf seinen Schützling haben, denn Dehecq wird noch einige Zeit den Verwaltungsrat leiten. Dafür ließ er sich von den Aktionären eine Heraufsetzung des zulässigen Höchstalters auf 70 Jahre genehmigen.

„Er hat alle Qualitäten, die Gruppe zu führen“, lobte Dehecq seinen Kronprinzen. Die Ernennung des studierten Pharmazeuten ist keine Überraschung. „Er arbeitet seit Jahren im engsten Führungszirkel. Dehecq hat ihn zudem auf Analysten-Konferenzen mehr und mehr in den Vordergrund geschoben“, sagt ein Pariser Analyst.

Mit Rugby-Fan Le Fur bekommt Sanofi-Aventis ein Hausgewächs als Chef. Seine Karriere begann der Liebhaber von Rock ’n’ Roll beim französischen Pharma-Konzern Rhône-Poulenc, der später mit Höchst zu Aventis fusionierte. 1986 wechselte er zum Wettbewerber Sanofi als Vize-Chef der Forschungsabteilung.

Die Pharma-Forschung – das ist ganz klar Le Furs Welt. Auf Pressekonferenzen blüht er auf, wenn er detailliert über die neuesten klinischen Tests von Sanofis kommenden Medikamenten berichten darf. Für die Zukunft eines Pharmakonzerns ist nichts so wichtig wie eine volle „Pipeline“, sprich die Entwicklung von neuen Wirkstoffen, die das Zeug zu Verkaufsschlagern auf Rezept haben. „Das wird seine größte Herausforderung sein“, sagt ein Analyst.

Ferner wird Le Fur sich auf Änderungen der Aktionärsstruktur einstellen müssen. Denn die Sanofi-Großaktionäre Total (13 Prozent) und L'Oréal (11 Prozent) haben bereits durchklingen lassen, dass sie eines Tages ihre Aktien verkaufen wollen.

Ohne diese Großaktionäre kann Sanofi leichter von Konkurrenten geschluckt werden. Möglicherweise tritt Le Fur dann wie sein Ziehvater Dehecq die Flucht nach vorn an – und kauft seinerseits zu.

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