Chefwechsel bei Villeroy & Boch
„Mehr Speed“ im Porzellanladen

Der Marketingprofi Frank Göring wird neuer Chef von Villeroy & Boch. Göring stieg 1997 bei dem Keramik- und Lifestyle-Unternehmen ein und hat sich viel vorgenommen: Das alte Ziel von einer Milliarde Umsatz ist schließlich noch nicht erreicht. Göring fordert deshalb mehr „Speed“ für das Wachstum.

FRANKFURT. „Er war bei Procter & Gamble. Eine bessere Ausbildung hinsichtlich Marketing kann man eigentlich nicht machen.“ Es waren große Vorschusslorbeeren, die der 64-jährige Wendelin von Boch, Vorstandschef des Keramik- und Lifestyle-Unternehmens Villeroy & Boch, am Mittwoch seinem Nachfolger Frank Göring übergab. Aber er wies den 45-Jährigen auch auf einige Baustellen hin. „Aber das macht dann ja der Kollege, das ist nicht mehr mein Job.“ Sagt von Boch und grinst über beide Wangen.

Am 1. Juni findet der Stabwechsel in Mettlach statt. Der „Neue“ ist keiner aus der Familie. Göring, der 1961 in Mülheim an der Ruhr geboren wurde, begann seine Laufbahn bei Procter. Nach Stationen etwa beim Zigaretten-Hersteller Reemtsma stieg er 1997 bei Villeroy & Boch ein. Den nötigen Einblick in die Besonderheiten des Hauses bringt er also mit. Das ist wichtig, denn mit der externen Besetzung habe man in Mettlach keine guten Erfahrungen gemacht, erzählt von Boch.

Einfach wird der Job nicht. Zwar befindet sich das Traditionsunternehmen auf Wachstumskurs. Um knapp acht Prozent auf 964,2 Millionen Euro legte der Umsatz im vergangenen Jahr zu. Das operative Ergebnis stieg um 37 Prozent auf 33,3 Millionen Euro. Doch sein altes Ziel, die Umsatz-Milliarde zu knacken, habe er nicht erreicht, räumt von Boch ein.

„Mehr Speed“ will Göring deshalb in das Wachstum bringen – und unterstreicht damit auch in der Ausdrucksweise den Generationswechsel. Man glaubt ihm, dass er das schafft. Ruhig, zurückhaltend sitzt er bei der Pressekonferenz am Rednertisch – will einen klaren Schnitt zwischen heute und morgen, dabei aber seinem angesehenen Vorgänger nicht die Schau stehlen. „Wollen Sie über die Risiken reden?“ fragt dieser. „Nö, über die Risiken dürfen gerne noch Sie sprechen“, kommt es zurück.

Wird Göring aber angesprochen, dokumentieren seine Worte Selbstbewusstsein. Das braucht er auch, gibt es doch ungeachtet des in den Augen von Bochs „erfolgreichen Umbaus“ noch Dellen im Geschäft, die geglättet werden müssen. Im Bad- und Wellnessbereich fehlt dem Unternehmen die kritische Masse für das weltweite Geschäft. Vor allem im Wachstumsmarkt Asien sind Zukäufe möglich. „Vielleicht schon in diesem Jahr“, gibt sich Göring zuversichtlich.

Die Umsatzmilliarde wird aber auch er so schnell nicht erreichen, schließlich wird die Fliesensparte nach dem Verkauf der Mehrheit an die türkische EKS aus der Bilanz genommen. „Das Ziel wird wohl eher schwierig“, weiß auch Göring.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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