Chemchina
Deutscher soll Chinesen bei Expansion helfen

Chinas größter Chemiehersteller drängt mit voller Kraft auf die ausländischen Märkte. Dabei soll dem Staatskonzern Chemchina künftig einer der versiertesten Fernost-Kenner aus dem Bayer-Konzern helfen.

DüsseldorfJahrelang haben sich großen Chemiekonzerne Chinas vor allem um den heimischen Markt gebalgt: Das rasante Wachstum der Wirtschaft hat eine riesige Nachfrage nach Chemikalien und Kunststoffen mit sich gebracht, wie sie in Autos, in Baustoffen oder in der Elektronikindustrie gebraucht werden. Doch der Heimatmarkt wächst längst nicht mehr so stark, und so sind auch Chinas Chemiekolosse von der Regierung angehalten, im Ausland nach Wachstumschancen zu suchen.

Das gilt auch für den größten staatlichen Chemiekonzerns des Landes, Chemchina. Beinahe im Wochenrhythmus macht Chemchina derzeit mit Übernahmen oder Übernahmeversuchen im Ausland von sich reden. Vor wenigen Tagen kaufte das Unternehmen den Münchener Hersteller von Kunststoffmaschinen, Krauss-Maffei, für 925 Millionen Euro und verstärkt damit seine Maschinenbausparte. In der Schweiz führen die Chinesen Übernahmegespräche mit den Agrochemiekonzern Syngenta, der ihnen angeblich locker 42 Milliarden Dollar wert ist.

Chemchina mit rund 40 Milliarden Dollar Jahresumsatz vereinigt ein ganzes Imperium an Tochterunternehmen, die Spezialchemie, Pflanzenschutzmittel, Petrochemie, Beschichtungen, Reifen und Gummi sowie Maschinen für die Verarbeitung von Chemieprodukten herstellt. Ein der zentralen Sparten des Staatskonzerns wird künftig von einem Deutschen geführt: dem früheren Arbeitsdirektor des Bayer-Konzerns, Michael König.

König war Ende vergangenen Jahres auf eigenen Wunsch aus dem Bayer-Vorstand ausgeschieden – offenbar auch, weil er längst andere Zukunftspläne hatte. Bei Bayer war zuletzt im Vorstand für Personal zuständig und war im Konzern einer der erfahrensten Manager, was das Asiengeschäft angeht. König wechselte schon im Jahr 2000 für Bayers Kunststoffgeschäft nach China, 2007 rückte er ins Führungsgremium der Bayer Greater China Group auf – einer Holding, in der alle Geschäfte des Konzerns in China, Hongkong und Taiwan zusammengefasst sind. Vier Jahre später kam er an die Spitze des globalen Polycarbonatgeschäfts von Bayer, das seinen Sitz in Schanghai hat.

Diese Sparte gehört heute nicht mehr zum Bayer-Konzern: Sie ist als zweite große Einheit in der ausgegliederten Kunststoff-Tochter Covestro aufgegangen, die früher Bayer Material Science (BMS) hieß. BMS war Königs Heimat, dort hat der studierte Verfahrenstechniker seiner Karriere gemacht und erste Kontakte zu Chemchina geknüpft. Die Chinesen waren Partner der Deutschen.

Nun hievt ihn die Chemchina-Führung an die Spitze der China National Bluestar Corp., in der Chemchina sein Spezialchemiegeschäft gebündelt hat. König, der fließend Mandarin spricht und über gute Kontakte in den chinesischen Staatsapparat verfügt, ist der erste Deutsche im Spitzenmanagement des verschlossenen chinesischen Giganten.

Bei Bluestar soll er nun auch die internationale Expansion vorantreiben. Zu der Chemchina-Tochter gehören die französische Adisseo, einer der drei weltweit führenden Hersteller von Futtermittelzusätzen, und der norwegische Silikonproduzent Elkem, den Chemchina 2011 für rund zwei Milliarden Dollar übernommen hat. Damit nicht genug: Die künftig von König geführte Tochter ist ebenso im Bau von Solarpanels aktiv wie in der Herstellung von Polymeren und Basiskunststoffen.

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