Chief Digital Officer
Wo sind die digitalen Häuptlinge?

Die digitale Revolution trifft Konzerne wie Mittelständler mit Wucht. Doch die wenigsten bündeln die digitale Verantwortung in der Hand eines starken Managers, zeigt eine exklusive Studie. Das verschleppt den Wandel.
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DüsseldorfJonathan Becher hat einen seltenen Job und eine ebenso ungewöhnliche Vita. Der SAP-Manager aus Palo Alto ist „Chief Digital Officer“. Er leitet den digitalen Großumbau des Softwarekonzerns mit Stammsitz Walldorf. Der Amerikaner hat drei Start-ups gegründet und war dann vier Jahre Chief Marketing Officer von SAP. Sein Credo: „Ich versuche, den digitalen Geist des Silicon Valley zu verbreiten: Ideen anpacken, ausprobieren und umsetzen.“

„SAP ist zwar ein Unternehmen, das digitale Produkte anbietet, aber die Prozesse und die Denke waren bislang alles andere als digital“, erzählt Becher. Kaum zu glauben, aber bisher wurden alle Bestellungen bei SAP über Papier oder über Verkäufer persönlich abgewickelt. Digitalchef Becher ist dabei, dies zu ändern – Schritt für Schritt.

Weltweit gibt es laut Berufsverband inzwischen rund 1000 Chief Digital Officers. In deutschen Unternehmen sind digitale Häuptlinge immer noch Ausnahmeerscheinungen. Nur jeder dritte Dax-Konzern und nur jedes siebte MDax-Unternehmen bündelt das Thema Digitalisierung in der Hand eines hochrangigen Managers, ob er nun Chief Digital Officer oder anders heißt. Das zeigt eine Analyse der Personalberatung Heidrick & Struggles, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt.

Mit ProSiebenSat1 hat lediglich ein Unternehmen aus den 80 Konzernen von Dax und MDax die Verantwortung für das digitale Geschäft auf Vorstandsebene verankert, bei Digitalvorstand Christian Wegner. Selbst Chief Digital Officer Jonathan Becher von SAP sitzt nicht im Vorstand, berichtet aber direkt an SAP-Chef Bill McDermott. Für Studienautorin Wiebke Köhler, Partnerin von Heidrick & Struggles, ist der Mangel an gebündelter Verantwortung auf Vorstandsebene ein Zeichen dafür, dass die digitale Herausforderung in den Chefetagen deutscher Firmen noch nicht richtig angekommen ist. Zersplitterte Kompetenzen aber erschweren die unausweichlichen Veränderungen.

Denn die digitale Revolution trifft alle Unternehmen mit Wucht. „Die Digitalisierung wälzt jede Branche und jedes Geschäftsmodell komplett um: vom Einzelhandel über Banken bis zu Autoindustrie und Maschinenbau“, betont Karl-Heinz Streibich, Vorstandschef der Software AG.

Die Digitalisierung verändert nicht nur Produkte und Geschäftsmodelle, sie zieht auch tiefgreifende Umbauten in der Struktur der Unternehmen nach sich. „Digitalisierung ist nicht greifbar. Deshalb ist es umso wichtiger, dass es einen Menschen im Unternehmen gibt, der das Zukunftsthema verkörpert“, betont Stefanie Waehlert, seit 2013 Chief Digital Officer beim Reisekonzern Tui. Auch Rewe hat mit Jean-Jacques van Oosten und Media Saturn mit Martin Wild einen zentralen Chief Digital Officer installiert.

„Die Digitalisierung muss weit oben in der Organisation aufgehängt sein, denn das Thema zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette“, meint Stefan Behrendt, Gründer der Digitalberatung DSP Partners und Co-Autor der Studie. Allerdings finden sich die meisten Digitalmanager – wenn es denn überhaupt eine zentrale Figur gibt – auf Bereichs- und Abteilungsleiterebene. „Digital sollte in der Umbauphase des Unternehmens frühzeitig Vorstandsrang erhalten oder zumindest beim CEO aufgehängt sein“, ist Personalexpertin Köhler überzeugt.

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