Chris Viehbacher
Schnell und smart

Möglichst schnell, möglichst effizient. Chris Viehbacher brauchte nicht viel Zeit, um sich an seine Position als Chef von Sanofi-Aventis zu gewöhnen. Der Finanzexperte will den Einfluss de Pharmakonzerns erweitern und schaut sich schon nach lohnenden Übernahmezielen um.

PARIS. Seine stahlblauen Augen und sein Gewinnerlächeln lassen keinen Zweifel daran: Chris Viehbacher, der neue Vorstandschef des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis ist es gewohnt, Hindernisse mit Durchsetzungskraft und Charme aus dem Weg zu räumen. Möglichst schnell, möglichst effizient. Dazu ist er am 1. Dezember 2008 bei der weltweiten Nummer drei der Branche angetreten. Der 48-jährige smarte Deutsch-Kanadier, der gern korrekt mit hellblauem Hemd zum Anzug und Krawatte auftritt, hat es eilig und will bei der Konsolidierung der Pharmabranche ein gewichtiges Wort mitreden.

Zwei Monate nach seinem Amtsantritt verdichten sich die Spekulationen über mögliche Zukäufe des Konzerns. Viehbacher ist mit dem Ziel angetreten, Sanofi mit einem Umsatz von 28 Mrd. Euro im Jahr 2007 wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Der Konzern steht vor dem Problem, dass wichtige Patente ablaufen und zudem die Konkurrenz durch die Generikahersteller wächst. Deshalb knüpfen sich an Viehbachers ersten wichtigen Auftritt am 11. Februar große Erwartungen. Dann wird er die Jahresbilanz bekanntgeben, gleichzeitig wahrscheinlich die neue Strategie für Sanofi erklären. Derzeit lässt Viehbacher Übernahmemöglichkeiten prüfen. Vor seinem Management soll er erklärt haben, dass er mit Zukäufen den Konzern vergrößern und breiter aufstellen will.

Der schlanke, drahtige Viehbacher ist ein Macher. 20 Jahre lang arbeitete er bei der Konkurrenz Glaxo-Smithkline (GSK), der Nummer zwei weltweit. Zuletzt war der ehemalige Wirtschaftsprüfer Nordamerika-Geschäftsführer und gilt deshalb als Experte für den wichtigen US-Markt. Doch als er bei Glaxo im Rennen um den Chefsessel gegen Andrew Witty unterlag, ging er zu Sanofi. Witty versuchte, Viehbacher zu halten, den er sehr schätzt: „Er ist eines der größten Talente der Pharmaindustrie.“

Auch Viehbachers ehemaliger Mentor bei Glaxo, Robert A. Ingrum, zweifelt nicht an Viehbachers Fähigkeiten: „Er hat das Temperament und Talent, um Sanofi wieder in Höchstform zu bringen.“ Der dreifache Vater, der Deutsch, Englisch und Französisch spricht, ist einer der wenigen ausländischen Spitzenmanager in Frankreich. Er lebte schon einmal neun Jahre in Frankreich, als er Geschäftsführer von Glaxo Wellcome France war. Die Franzosen, die sonst gern ihre Wirtschaft vor ausländischen Zugriffen schützen, schätzen ihn: Viehbacher wurde wegen seiner Verdienste um das Gesundheitswesen 2003 in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Aus seinem Umfeld heißt es, er könne gut repräsentieren, er habe eine „hervorragende Ausstrahlung“. Das dürfte ihm gerade in Frankreich zu Hilfe kommen.

Aber auch Viehbachers Ruf als Finanzexperte ist bei seiner neuen Aufgabe ein Plus. Sanofi steht zwar solide da und hat seine Nettoverschuldung im dritten Quartal 2008 auf 3,7 Mrd. Euro gesenkt, doch der Konzern war zuletzt mit neuen Produkten nicht sehr erfolgreich. Große Hoffnungen lagen auf dem Schlankmacher Acomplia, aber dieser wurde in den USA wegen gefährlicher Nebenwirkungen abgelehnt. Zudem dürften mehrere auslaufende Patente zwischen 2010 und 2013 für Einbrüche im Pillengeschäft sorgen.

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