Christian Dreesen geht: Exodus aus HVB-Vorstand

Christian Dreesen geht
Exodus aus HVB-Vorstand

Nach nicht einmal zwei Monaten verlässt der neue Privatkundenvorstand der Münchener Hypo-Vereinsbank, Jan-Christian Dreesen, das Haus bereits wieder. Auch er soll wegen des Stils von Unicredito-Konzernvorstand Roberto Nicastro die Flucht ergreifen. Sein Nachfolger steht nach Handelsblatt-Informationen bereits fest.

HB MÜNCHEN. Dreesen werde die Bank „aus persönlichen Gründen“ mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte die HVB in München mit. Der 38-Jährige hatte den Vorstandsposten erst kurz vor Weihnachten überraschend zugesprochen bekommen. Sein Nachfolger wird Willibald Cernko, bisher Privatkundenvorstand der österreichischen Unicredito-Tochter Bank Austria Creditanstalt.

Damit hat seit der Übernahme durch Unicredito bereits das vierte Vorstandsmitglied die HVB verlassen. Im November hatten die damalige Privatkundenchefin Christine Licci und der Chef des Investment-Bankings, Stefan Jentzsch, das Weite gesucht. Im Dezember war mit Michael Kemmer dann auch der designierte Risikochef des Gesamtkonzerns gegangen, ein Schock, von dem sich die HVB bis heute nicht erholt hat. „Es wird wirklich dünn in der Spitze“, hieß es am Donnerstag in Münchner Finanzkreisen.

Schon der rasche Aufstieg von Jan-Christian Dreesen belegte, wie schwach mittlerweile die Personaldecke bei der HVB geworden ist. Vor elf Jahren startete der gebürtige Ostfriese als Trainee bei der Vereinsbank in Mannheim und machte dann als Filialleiter und Bezirkschef von sich reden, ehe er 2005 zum Geschäftsbereichsleiter aufstieg. Ende vergangenen Jahres nun wurde er gleich um zwei Stufen zum Privatkundenvorstand befördert.

Mit dem Abgang Dreesens verfestigt sich der Eindruck, dass es Unicredito nicht gelungen ist, das Klima in der Spitze der HVB zu verbessern. Erneut wird berichtet, Dreesen habe auch wegen des Stils von Konzernvorstand Roberto Nicastro die Flucht ergriffen. Dem Vernehmen nach hat Dreesen allerdings eine neue Aufgabe bereits im Visier.

Der Weggang des Privatkundenvorstands bringt auch weitere Unruhe ins operative Geschäft. Denn Dreesen ist bereits der achte Chef binnen eines halben Jahrzehnts für das ohnehin belastete Privatkundengeschäft. Die lange kriselnde Sparte hatte sich gerade erst operativ wieder etwas erholt.

Zur Ernennung von Nachfolger Cernkos von der Bank Austria Creditanstalt hieß es, die Unicredito setze damit „den wechselseitigen Austausch von Führungskräften innerhalb der ersten wahrhaft europäischen Bank fort, der auch bereits in der Berufung von Henning Giesecke und Wolfgang Sprißler in den Konzernvorstand von Unicredit zum Ausdruck kam“. HVB-Chef Wolfgang Sprißler erklärte, mit Cernko habe man einen erfahrender Manager und ausgewiesener Vertriebsexperten gewonnen. Man sei sich sicher, dass mit Cernkos Berufung „eine überzeugende und dauerhafte Entscheidung“ getroffen worden sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%