Christof Bosch: Im Namen des Großvaters

Christof Bosch
Im Namen des Großvaters

Christof Bosch verteidigt den sozialen Geist beim weltgrößten Autozulieferer aus Stuttgart und bei Deutschlands größter Stiftung, die den Namen seines Großvaters trägt. Er ist ein Beispiel dafür, dass eine Familie auch zwei Generationen nach Gründung eines Unternehmens dazu beitragen kann, den „historischen Stifterwillen“ zu verwirklichen.

STUTTGART. Wenn Christof Bosch in der Tiefgarage aus der dunklen Audi-Limousine steigt, dann hat das nichts vom Habitus eines reichen Erben. Der Enkel des Firmengründers Robert Bosch tritt gerne schlicht auf: Einfacher Kurzhaarschnitt, Wolljackett, Krawatte, bequeme Schuhe und eine Aktentasche, die jedem Studienrat zur Ehre gereichen würde.

Im Aufzug geht es direkt von der Tiefgarage hoch in das Gebäude der Robert-Bosch-Stiftung in der Heidehofstraße. Die moderne Stahl-Glaskonstruktion mit herrlichem Blick über Stuttgart liegt vis a vis der alten Robert-Bosch-Villa aus dem Jahr 1911: Tradition und Moderne bilden ein Ensemble.

Auch Christof Bosch verbindet in seiner Person zwei Welten: die der Stiftung und des Industriekonzerns. Der promovierte Forstwirt und Ökobauer nimmt beim weltgrößten Automobilzulieferer mit seinen rund 44 Milliarden Euro Umsatz eine Schlüsselposition der Familie ein.

Der 48-Jährige sitzt im Kuratorium von Deutschlands größter Stiftung, die sich den Themen Völkerversöhnung und -verständigung, Gesundheit, Bildung und Linderung von Not widmet. Gleichzeitig ist Christof Bosch als Sprecher der Familien Bosch, zu der auch die Familie Madelung gehört, Mitglied der Robert Bosch Industrietreuhand KG, dem obersten Kontrollgremium des Bosch-Konzerns. Und er sitzt noch im Aufsichtsrat des Konzerns.

Dort hat sich der im Umgang unkomplizierte und unprätentiöse Familiensprecher zu so etwas wie einer moralischen Instanz entwickelt. „Wir sind froh, dass wir einen Vertreter der Familie im Aufsichtsrat haben, der sich am sozialen Geist von Robert Bosch orientiert“, sagt ein hoher Arbeitnehmervertreter.

Christof Bosch ist ein Beispiel dafür, dass eine Familie auch zwei Generationen nach Gründung eines Unternehmens dazu beitragen kann, den „historischen Stifterwillen“ zu verwirklichen, der sich „der Linderung von allerhand Not“ verschrieben hatte und der „Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes“.

Aber der Bosch-Enkel steht auch zu einem anderen Teil der Tradition. Bei Robert Bosch ging trotz seiner menschenfreundlichen Ader immer das Unternehmen vor. Und das heißt heutzutage auch mal Personalabbau. Und seit die Stiftung aus dem Nachlass im Jahr 1964 gegründet wurde, heißt die Maxime: „Erst das Unternehmen, dann die Stiftung“.

Die Logik ist einfach, aber sinnvoll. Denn die Stiftung speist sich aus den Gewinnen des Unternehmens. Der Konzern schüttet jährlich gut 2,5 Prozent des Nettogewinns an die Stiftung aus. So erhält sie für ihre Arbeit rund 58 Millionen Euro. Die Familiengesellschafter begnügen sich mit rund fünf Millionen Euro Dividende.

Christof Bosch nimmt seine exponierte Stellung in der Familie sehr ernst. Allerdings sieht sich der Mann, der mit ruhiger, manchmal leiser Stimme spricht, eher als Moderator. „Ich will keine dominierende Rolle spielen“, versichert er glaubhaft. Deshalb sei er auch nur eines von neun Mitgliedern des Stiftungskuratoriums und nicht Vorsitzender.

Da wacht er auch über das Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart, das auf eine private Initiative des Firmengründers aus dem Jahr 1936 zurückgeht. Die Stiftung ist Träger des Krankenhauses und gibt dafür ein Fünftel ihres Jahresbudgets aus.

Ein anderes Kernthema der Stiftung ist die Bildung. So unterstützt sie das Programm „NaT-Working“, das Schüler für Naturwissenschaft und Technik begeistern und ihre Lehrer an aktuelle Forschung heranführen soll. „Ein tolles Programm mit gegenseitiger Inspiration“, sagt Bosch, und seine Augen leuchten. Beim Thema Bildung wird er leidenschaftlich und kämpft für eine akademische Ausbildung der Betreuer in Kindergärten. Auch die Anbindung der Kindergärten an das Sozialministerium hält er für falsch. Es gehe ja nicht um Aufbewahrung, sondern Förderung in einer Lebensphase, in der die Grundlagen für die spätere Lernfähigkeit gelegt werden.

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