Christoph Achenbach zeigt bei der Rettung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns wenig Geschick
Sanierer ohne Fortune

Christoph Achenbach hat als Sanierer des Karstadt-Quelle-Konzerns bisher wenig Glück gezeigt. Erfolgsmeldungen wie der Verkauf der Warenhauslogistik für 200 Millionen Euro an die Deutsche Post sind in seiner Amtszeit selten. Nun laufen Gerüchte, dass der Karstadt-Quelle-Chef kurz vor der Abberufung steht.

DÜSSELDORF. Als Christoph Achenbach am 24. Januar um 12.05 Uhr vor die Presse tritt, wirkt der Karstadt-Quelle-Chef selten gelöst. Zwar sind seine Gesten verhalten wie immer, streng ist der Scheitel des 46-jährige Westfalen. Gewichen sind dagegen Verkrampftheit und Nervosität, mit denen er zwei Monate zuvor noch der Aktionärsversammlung das Sanierungskonzept präsentierte. Es geht voran, lautet Achenbachs Botschaft an diesem Tag, schließlich habe man der Deutschen Post soeben die Warenhauslogistik für 200 Millionen verkauft. „Wir haben dies angekündigt“, gibt sich der Konzernchef tatkräftig, „jetzt kann es umgesetzt werden.“

Momente wie diese haben in Achenbachs amtszeit Seltenheitswert. Denn Erfolgsmeldungen über die Sanierung, mit der Europas größter Warenhaus- und Versandkonzern vor dem drohenden Aus bewahrt werden soll, kommen weitaus spärlicher als erwartet. Bei den Unternehmensverkäufen, die den Essener Konzern vor einer erneuten Finanzlücke bewahren sollen, kann Achenbach seinen Terminplan längst nicht mehr einhalten. In immer kürzeren Intervallen laufen daher die Gerüchte auf, denen zufolge der Vorstandschef nach nicht einmal einjähriger Amtszeit kurz vor der Abberufung steht.

Schon bei der Entmachtung des glücklosen Vorgängers Wolfgang Urban im Mai 2004 galt der umgehend als Nachfolger eingesetzte Achenbach als angeschlagen. Ausgerechnet die ihm unterstehende Versandhaussparte hatte sich in den Monaten zuvor zum größten Sorgenkind des Konzerns entwickelt. Der Aufsichtsrat zögerte mit seiner Berufung dennoch nicht, schließlich hatte sich trotz intensiver Suche kein externer Kandidat finden lassen. Was dem einstigen Quelle-Vorstandschef außerdem zugute kam: Seit Jahren schon genoss der promovierte Betriebswirt das Vertrauen der Großaktionärin Madeleine Schickedanz.

Das enge Verhältnis zu den Fürther Quelle-Erben ist für Achenbach allerdings Segen wie Fluch zugleich. Weil sie die Nähe für allzu groß hielten, drängten Vertreter mehrerer Gläubigerbanken im November bereits auf eine Ablösung des Vorstandschefs. Denn immer wieder hatte es der Schickedanz-Clan zuvor verstanden, über die von ihm eingesetzte Karstadt-Quelle-Spitze eigene Interessen durchzusetzen – auf Kosten des Konzerns.

Vor vier Jahren beispielsweise kaufte der damalige Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban – auch er kam aus dem Hause Schickedanz – der Familie die 85-Prozent-Beteiligung an der ertragsschwachen Modekette Sinn-Leffers ab. Der Essener Konzern, der zu diesem Zeitpunkt zu 49,13 Prozent den Quelle-Erben gehörte, zahlte 275 Millionen Mark. Der Fehlkauf steht längst wieder auf der Verkaufsliste der Essener. Einen positiven Veräußerungserlös erwarten sie allerdings nicht.

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