Christoph Franz: Der künftige Chef der Lufthansa

Christoph Franz
Der künftige Chef der Lufthansa

Nach monatelangem Zaudern wird der Swiss-Sanierer heute zum neuen Lufthansa-Chef gekürt. Seit letztem Jahr schon galt der 50-Jährige als Kronprinz. Sein ehrgeiziges Ziel: eine massive Kostensenkung zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit.
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FRANKFURT. Fast wäre Christoph Franz, Vorstandschef für das Passagiergeschäft der Lufthansa, zur tragischen Figur geworden. Zwar gilt der umtriebige Manager inoffiziell längst als Nachfolger von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber (63). Doch die offizielle Krönung des 50-Jährigen verzögerte sich, der Aufsichtsrat scheute bislang die offizielle Berufung.

Nun soll die Hängepartie ein Ende haben. Wenn am Mittwoch der Aufsichtsrat von Europas größter Fluggesellschaft zusammentrifft, wird er Franz aller Voraussicht nach endgültig auf den Schild heben. "Wir alle gehen von einer Berufung von Franz aus", berichten Insider. Auch wann der Neue antritt und Mayrhuber ablöst, wird dann wohl verkündet. Vor der Hauptversammlung im Frühjahr 2011 werde das aber wohl nicht der Fall sein, heißt es.

Franz, der die Lufthansa-Tochter Swiss auf Erfolgskurs gebracht hat, gilt seit seiner Berufung zum Passagechef im vergangenen Jahr als Kronprinz. Eigentlich war seine Berufung bereits für die Aufsichtsratssitzung im Frühjahr erwartet worden. Doch dann stand das Thema nicht auf der Tagesordnung. Man werde es erst im September erörtern, hatte Aufsichtsratschef Jürgen Weber auf der Hauptversammlung des Unternehmens erklärt. Die Verzögerung sorgte immer wieder für Spekulationen über die Zukunft von Franz. Zwischenzeitlich wurde sogar Personalvorstand Stephan Lauer als ein möglicher Kandidat für das Mayrhuber-Erbe gehandelt.

Ein Grund für das lange Hin und Her waren wachsende Widerstände in der Belegschaft gegen Franz. Der Manager hatte sich direkt nach seiner Berufung zum Passagechef mächtig ins Zeug gelegt und mit "Climb 2011" der Belegschaft ein massives Sparprogramm auferlegt. Lufthansa produziere viel zu teuer und sei nicht länger wettbewerbsfähig gegen Billigairlines, lautete seine glasklare Ansage. Solche drastischen Worte sind im eher konsensorientierten Lufthansa-Konzern ungewohnt.

Zuletzt hatte sich Franz in der Öffentlichkeit merklich zurückgehalten. Erst vor wenigen Tagen sorgte er auf einem Führungskräfte-Treffen erneut für Aufmerksamkeit. Dort kündigte er an, dass die Passagiersparte mittelfristig eine operative Ergebnismarge von acht Prozent erreichen müsse, gepaart mit einer deutlichen Mahnung an die Belegschaft, sich dem Umbau nicht entgegenzustellen. Im ersten Halbjahr hatte die Sparte noch einen operativen Verlust produziert.

Das ehrgeizige Ziel zu erreichen dürfte nun vorrangig die Aufgabe des neuen Passagechefs Carsten Spohr (44) werden. Der bisherige Vorstandschef der Frachttochter Cargo wurde jüngst zum Nachfolger von Franz in der Passagiersparte berufen. Beide sind erfahren in einer Restrukturierung, gleichwohl aber sehr unterschiedlich. Während Franz gern jenseits des medialen Interesses seine Aufgaben erledigt, weiß Spohr die Öffentlichkeit geschickt zu nutzen. "Es wird spannend werden, wie beide harmonieren", heißt es dazu in Frankfurt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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