Chrysler-Führungsetage komplett umbesetzt
Nardelli bastelt an „All-Star-Team“

Die US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus will ihren Neuerwerb Chrysler mit einer hochkarätigen Führungsmannschaft aus der Krise fahren. Der neue Chairman und Vorstandschef, Robert Nardelli, darf dabei erfolgreiche Automanager um sich scharen, die Cerberus mit üppigen Prämien von der Konkurrenz weglockt.

NEW YORK. So verpflichtete Chrysler vergangene Woche den langjährigen Amerika-Chef von Toyota, Jim Press, und Phil Murtaugh, der einst das China-Geschäft für General Motors aufbaute. Zuvor hatte Cerberus bereits weitere Routiniers wie den früheren Chrysler-Designer Tom Gale als Berater an Bord geholt. Die „Detroit News“ sieht bereits ein „All-Star-Team“ am Werk, das den defizitären Autobauer in einem sich weiter eintrübenden Marktumfeld vor dem finanziellen Aus retten soll.

Mit dem früheren Home-Depot- Chef Nardelli hat Cerberus Anfang August einen streitbaren Manager, der über keinerlei Erfahrung in der Autoindustrie verfügt, auf den Chefsessel berufen. Seine Aufgabe sei es in erster Linie, ein starkes Topmanagement-Team aufzubauen, glaubt Noel Tichy, Professor an der University of Michigan Business School.

Nach nur wenigen Wochen im Amt, hat „General“ Nardelli, dessen kompromissloser Managementstil bei der Baumarktkette Home Depot für Aufregung sorgte, die Chrysler-Führungsetage komplett umbesetzt. Tom La Sorda, unter Daimler noch alleiniger Chrysler-Chef, verantwortet jetzt nur noch die Bereiche Produktion und Einkauf. Der langjährige Toyota-Manager Jim Press, der hinter der erfolgreichen Amerika-Expansion des japanischen Konzerns steht, soll künftig als Vize-Chairman und Präsident die Bereiche Verkauf, Marketing und Produktstrategie leiten. Der nächste Neuzugang, Phil Murtaugh, zuletzt beim größten chinesischen Autobauer SAIC Motor in Schanghai tätig, wird Leiter des Asien-Geschäfts.

Damit bleibt bei Chrysler erwartungsgemäß kein Stein auf dem anderen: Zwar gebe es keine Pläne, eine der drei Konzernmarken (Chrysler, Jeep, Dodge) aufzugeben, betonte Nardelli am vergangenen Freitag vor Journalisten in Detroit: Es existiere jedoch „eine lange Liste“ anderer Verkaufskandidaten.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ wurden der Gewerkschaft UAW bereits die Verkäufe der beiden Konzernbereiche Mopar und Chrysler Transport vorgeschlagen. Mopar produziert Hochleistungs- und Spezialteile, während Chrysler Transport die Logistikkette der Zulieferer beaufsichtigt. Zusammen beschäftigen die beiden Firmensparten 1 300 Mitarbeiter.

Beobachter werten Nardellis Aussagen als klares Signal, dass die von der Ex-Konzernmutter Daimler eingeleiteten Sparmaßnahmen weiter verschärft werden. Bisher sind bei Chrysler der Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen sowie die Schließung eines Werks in Newark, Delaware, geplant.

Der neue Verwaltungsrat werde im Oktober zusammentreffen, um das Restrukturierungsprogramm einer Prüfung zu unterziehen, sagte Nardelli. Dabei verwies er insbesondere auf die US-Immobilienkrise, die einen direkten und negativen Effekt auf den Automarkt habe. Angesichts deutlich sinkender Verkäufe sehen Analysten bereits das schwächste Autojahr seit 1998 auf die US-Branche zukommen. Selbst die vorsichtigste Prognose der Hersteller sei noch immer „zu rosig“, warnt Ron Pinelli vom US-Marktforscher Autodata.

Nardelli indes zeigt sich nach seiner Manager-Shoppingtour noch gewohnt selbstbewusst: „Ich könnte nicht von besseren Entscheidern umgeben sein.“

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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