Chrysler-Prozess am OLG Stuttgart
Cordes springt Schrempp zur Seite

Im Prozess über millionenschwere Nachforderungen von ehemaligen Aktionären der Daimler-Benz AG hat sich der frühere Mercedes-Benz-Chef Eckhard Cordes an die Seite von Jürgen Schrempp gestellt. Cordes Zeugenaussage hilft dem ehemaligen Chef von Daimler-Chrysler in diesem viel beachteten Prozess.

HB DÜSSELDORF. Im Zuge der Fusionsgesprächen mit dem US-Autobauer Chrysler seien den Wirtschaftsprüfern keine Vorgaben zur Bewertung der Firmenwerte gemacht worden, sagte Cordes vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Stuttgart. Er habe zwar nicht an allen Gesprächen über das bei den Verhandlungen sehr strittige Thema teilgenommen, könne sich aber auch von anderen Managern keine Einflussnahme vorstellen.

Nach Angaben von Cordes waren die Verhandlungen über diesen Punkt von zentraler Bedeutung für den Zusammenschluss der beiden Unternehmen. Zu Beginn der Gespräche habe es starke Differenzen zwischen dem Management beider Autobauer bei der Bewertung der Unternehmenswerte gegeben. Wäre bei dem Streitpunkt keine Einigung erzielt worden, wäre die Fusion nicht zustandegekommen, betonte Cordes am zweiten Tag der mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht. Das OLG will seine Entscheidung in dem Fall voraussichtlich noch in diesem Jahr verkünden.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Schrempp hatte zuvor ausgesagt, weder Mitarbeitern noch Gutachtern sei die Anweisung erteilte worden, das Unternehmen schlechtzurechnen. Die Firmenwerte seien in den Verhandlungen mit dem US-Autobauer nicht durch falsche Bewertungsgrundlagen gedrückt worden.

Die 17 Anteilseigner hatten geklagt, weil sie die Bewertung ihrer Wertpapiere nach der Verschmelzung mit dem US-Konzern Chrysler als zu niedrig ansahen. Der Streitwert liegt bei 232 Mio. Euro. Die Auto-Ehe mit Chrysler war vor rund zehn Jahren geschlossen worden. Vor etwas mehr als einem Jahr zerbrach das Bündnis wieder. Der Stuttgarter Konzern hält noch rund 20 Prozent der Chrysler-Anteile.

Rund 1,8 Prozent der damaligen Daimler-Benz-Aktionäre hatten 1998 bei der Fusion der Stuttgarter mit dem US-Konzern Chrysler ihre knapp 10,5 Mio. Papiere nicht freiwillig 1:1 in neue DaimlerChrysler- Aktien getauscht. Nach dem Zwangsumtausch klagten sie auf eine Barzuzahlung. Rechnerisch ergibt sich aus den Anteilen aller betroffener Aktionäre mit 22,15 Euro je Aktie eine Belastung für die heutige Daimler AG in Höhe von 232 Mio. Euro.

Der Fall musste vor dem OLG neu aufgerollt werden, weil Daimler gegen ein Urteil des Landgericht Stuttgart von 2006 Rechtsmittel eingelegt hatte. Das Gericht hatte sich auf die Seite der Aktionäre gestellt und den Stuttgarter Autokonzern zu der millionenschweren Nachzahlung verurteilt.

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