Cisco-Chef
John Chambers gesteht Fehler ein

In einer internen Mail an seine Mitarbeiter hat der Cisco-Chef John Chambers schwere Versäumnisse im Management des Konzerns eingeräumt. Zugleich kündigte er für die nächsten Wochen und Monate Veränderungen an.
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New York

Der langjährige und renommierte Cisco-Chef John Chambers hat überraschend offen schwere Versäumnisse im Management des einstigen Technologie-Vorreiters eingestanden. Cisco sei vom richtigen Weg abgekommen und müsse sich dringend ändern, vor allem seine Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit wiederherstellen, schrieb Chambers zu Wochenbeginn in einer internen E-Mail an seine Mitarbeiter. Zugleich kündigte er eine Reihe von Veränderungen schon in den nächsten Wochen und im neuen Geschäftsjahr ab August an, ohne jedoch Details zu nennen.

Cisco habe seine Investoren im Stich gelassen und die Mitarbeiter verwirrt, schrieb Chambers in der Mail. "Wir waren langsam bei Entscheidungen, es gab Überraschungen, wo es keine hätte geben dürfen, und wir haben die Verlässlichkeit verloren, die unser Markenzeichen gewesen ist", resümiert Chambers. "Das ist nicht hinnehmbar. Und es ist genau das, was wir angehen werden."

Chambers leitet den einstigen Liebling der Wall Street seit Januar 1995 und genießt einen exzellenten Ruf als Manager im Silicon Valley. Seine Einschätzungen werden ernst genommen. Er zählte zu denjenigen, die die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Branche haben kommen sehen. Chambers hat sich wiederholt bei den Aktionären für die schwache Performance von Cisco vor allem in den vergangenen beiden Quartalen entschuldigt.

Binnen 52 Wochen hat der Aktienkurs rund ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Seit 2001 hat sich der Kurs von damals 40 Dollar bis heute sogar mehr als halbiert: Am Dienstag schlossen die Titel in New York bei 17,22 Dollar. Um die Anleger trotzdem bei Laune zu halten, hat Cisco vergangenen Monat erstmals eine Dividende in Aussicht gestellt. Sie beläuft sich auf sechs Cent je Aktie.

Chambers räumte zudem ein, Cisco sei angesichts der zunehmenden Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Die einstige Dominanz des Konzerns ist dahin: Mittlerweile werden auf dem Markt Firmen wie Hewlett Packard oder Oracle stärker, zudem sind neue Rivalen wie Huawei aus China aufgetaucht. Der Wettbewerb hat seine Spuren in den Gewinnmargen hinterlassen. Cisco hat in den vergangenen Jahren zudem abseits seines Hauptgeschäfts mit Switches und Routern die Fühler in fremde Bereiche ausgestreckt. Experten raten der Firma aus dem kalifornischen San Jose mit fast 73.000 Mitarbeitern dringend, ganz aus dem Verbrauchergeschäft auszusteigen und sich wieder auf den Großkunden-Bereich zu konzentrieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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