Citibank besetzte jede fünfte Stelle auf diese Weise
Ein Auto zur Belohnung für neue Leute

Mitarbeiter empfehlen ihrem Arbeitgeber Neueinsteiger – und die Firma spart damit bares Geld. Denn dieser Recruiting-Kanal kann hohe Erfolgsquoten aufweisen.

Wenn besonders viel zu tun ist, kann sich Simone Spacke darauf verlassen, dass ihr Vitamin B zu Hilfe kommt. 1 000 neue Mitarbeiter in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sucht die Leiterin Personalmarketing beim Beratungsunternehmen Accenture in diesem Jahr. Bei rund einem Viertel der Neueinsteiger muss sie sich allerdings keine Gedanken machen, wie sie zu dem Unternehmen finden. Jedes Jahr aufs Neue werden Accenture-Mitarbeiter zu Personalvermittlern und empfehlen Bekannte als potenzielle Jobkandidaten.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere eigenen Mitarbeiter sehr gut beurteilen können, wer zu uns passt und wer nicht“, ist Spacke überzeugt. „Das ist einer unserer erfolgreichsten Recruiting-Kanäle.“ Mittlerweile sind Freunde und Bekannte bei der Arbeitssuche oft Gold wert. Der Online-Jobbörse Stepstone nach haben 37 Prozent der Beschäftigten im vergangenen Jahr neue Jobs durch Beziehungen bekommen.

Anders herum wissen auch immer mehr Unternehmen den Wert stabiler persönlicher Netzwerke zu schätzen und forcieren strategische Programme, damit Mitarbeiter neue Talente anwerben. Bei Accenture gibt es seit sieben Jahren ein entsprechendes Programm. Und für jede erfolgreiche Vermittlung gibt es bares Geld: 1 500 Euro erhalten Accenture-Berater für jeden, der nach einer Empfehlung die Probezeit übersteht und bleibt.

Und nicht nur hier: Pro erfolgreicher Vermittlung erhalten auch die Beschäftigten der Citibank seit zwei Jahren 750 Euro. „Es ist eine Maßnahme in einem ganzen Strauß von Recruiting-Methoden“, erzählt Astrid Thomessen, Sprecherin Personalwesen bei der Citibank, „aber eine sehr erfolgreiche. Vergangenes Jahr haben wir jede fünfte Stelle auf diese Weise besetzt.“ Bares gibt es auch bei den Beratungskollegen Capgemini Deutschland und beim Hamburger Otto Versand.

Bei der Textilhandelskette Kik bekommen Mitarbeiter, die zehn neue Kollegen geworben haben, neben Geld sogar einen Kleinwagen als Prämie. „Wir sind nicht auf der Suche nach Menschen, die einfach irgendwo unterkommen wollen, sondern suchen gezielt nach engagierten, flexiblen und motivierten Nachwuchskräften für den Handel“, betont Claudia Zoche, Aus- und Fortbildungsleiterin bei Kik.

Bei der Personalsuche setzten einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg zufolge 66 Prozent der Unternehmen auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Die hohe Zahl erklärt sich vor allem durch viele kleinere Betriebe, wo „das meiste über persönliche Netzwerke wie Freunde und Verwandte geht“, so Markus Promberger vom IAB.

Persönliche Beziehungen oder Mund-zu-Mund-Propaganda werden aber auch für den Einstieg bei großen Unternehmen immer wichtiger. Oft landen in den Personalstellen der Dax 30-Größen die eigenen Unterlagen erst einmal in Kisten mit unzähligen anderen: Allein bei Siemens gingen zum Beispiel im vergangenen Jahr 200 000 Bewerbungen ein. „Es ist einfacher, wenn jemand einen vorschlägt. Man schaut sich die Unterlagen etwas aufmerksamer an“, bestätigt Citibank-ExpertinThomessen. Ein Freibrief ist das nicht. „Im Bewerbungsgespräch trennt sich spätestens die Spreu vom Weizen, die Person muss sich natürlich dort profilieren.“ Auch bei Accenture müssen Empfehlungskandidaten auf den Internetseiten für Rekrutierung die detaillierte Stellenprofile passgenau ausfüllen. Erst dann folgt eine Einladung zum Gespräch.

Mitarbeiteranwerbungsprogramme strategisch auszubauen zahlt sich aus, sagen die Personaler, die auf sie setzen. Ein Grund ist, dass die persönlichen Empfehlungen auch ihnen Orientierung in der Bewerberflut geben. Und oft schlagen sich persönlich bekannte Bewerber besser als andere. „Vorzugsbehandlung gibt es nicht, nur weil man über das Mitarbeiteranwerbungsprogramm kommt“, unterstreicht Accenture-Personalerin Spacke. „Aber die Absageraten in den verschiedenen Verfahrensstufen, also beim Screening der Unterlagen, nach Telefonaten oder dem Vorstellungsgespräch, sind niedriger als bei den anderen Kanälen.“

Der Grund: Die Berater kennen nicht nur aus eigener Erfahrung die Anforderungen in den Projekten. Sie wissen auch, was nicht in Stellenausschreibungen steht – und haben schon erste Verhaltenstipps bekommen. Ähnlich wertvoll ist die Kenntnis des Unternehmensinneren und der praktischen Anforderungen in anderen Branchen Die Personaler müssen also vergleichsweise wenig Zeit aufwenden, um an gute Kandidaten zu kommen. Dazu kommt, dass andere Rekrutierungsmaßnahmen teuer sind. Eine Teilnahme am Absolventenkongress oder eine Veranstaltung in Accenture-Räumen kostet Spacke mehrere Tausend Euro. Noch teuerer sind größere Werbekampagnen in Printmedien oder Headhunter. „Finanziell ist die Mitarbeiterwerbung pro Kandidat günstiger als andere Kanäle“, bestätigt Spacke.

Und wenn der Schein trügt und der Empfohlene die Erwartungen enttäuscht, nachdem er sich irgendwie durch die Probezeit gemogelt hat? „Drastische Enttäuschungen haben wir noch nie erlebt“, meint Spacke. „So etwas würde ja auch negativ auf den Werbenden zurückfallen. Der überlegt sich deshalb gut, wen er vorschlägt.“ Dass ein Empfohlener die Erwartungen nicht erfüllt, sei dagegen kein Problem für den Vermittler. Schließlich haben sich in so einem Fall nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch die Personaler geirrt.

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