Citigroup-Aufsichtsratschef in Nöten
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Es sollte ein grandioser Schlussakt werden. Nach mehreren Medienberichten plante Sanford "Sandy" Weill, als Aufsichtsratschef des US-Finanzriesen Citigroup zurückzutreten und einen bis zu fünf Milliarden Dollar schweren Private-Equity-Fonds zu gründen.

NEW YORK. Einen potenten Investor hatte Weill bereits gefunden: den saudischen Prinzen Alwaleed bin Talal, der zu den reichsten Männern der Welt zählt und gleichzeitig Citigroups größter Aktionär ist. Das meldeten übereinstimmend die Londoner "Times" und der US-Börsensender CNBC.

Doch der Überraschungscoup ist ihm gründlich misslungen. Statt des erhofften glanzvollen Abtritts hat sich Weill einen hässlichen Streit mit dem eigenen Aufsichtsrat eingehandelt. Das berichtet die US-Zeitung "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf informierte Kreise. Danach betrachten einige Kontrolleure Weills geplanten Beteiligungsfonds als mögliche Konkurrenz für Citigroup. Sie weigern sich laut WSJ, den 72-jährigen Bankmanager mit vollen Bezügen und Zusatzleistungen wie Firmenjet-Nutzung ziehen zu lassen. Seine offizielle Amtszeit endet mit der nächsten Hauptversammlung im April 2006.

Citigroup bezeichnete den CNBC-Bericht über Weills Rücktritt am Montagabend als "falsch", ohne auf Details einzugehen. Gestern lehnte Citigroup-Sprecherin Shannon Bell einen Kommentar ab.

Die Gerüchte um Weills Amtsmüdigkeit könnten kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt für den New Yorker Finanzriesen kommen. Die Bank mit einem Börsenwert von mehr als 230 Milliarden Dollar legte am Montag enttäuschende Quartalszahlen vor. Zudem verkündete am Donnerstag der bisherige Vizechef Robert Willumstad, 59, seinen bevorstehenden Rücktritt.

Der ruhige Willumstad garantierte als Chef der Citigroup-Privatkundensparte bislang sprudelnde Erträge beim Hauptertragsbringer der Bank. Vorstandschef Charles "Chuck" Prince, 55, konzentrierte sich dagegen auf die Bereinigung zahlreicher Skandale. Viele davon, darunter Citigroups Verwicklung in Bilanzbetrugsfälle wie Enron und Worldcom, fallen in Weills Amtszeit als Konzernchef.

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