Claus-Dietrich Lahrs
Vorschusslorbeeren für den neuen Boss von Boss

Claus-Dietrich Lahrs geht drei Schritte voraus. Die Vorstände Joachim Reinhardt, Hans Fluri und Andre Maeder folgen artig im zweiten Glied. Die Szene beim Eintritt in das Atrium am Stammsitz in Metzingen hat bereits Symbolcharakter. Seit Donnerstag Abend steht fest, der 44-Jährige wird ab August Boss von Hugo Boss, Deutschlands größtem Modekonzern.

METZINGEN. Routiniert lässt er die ersten Foto-Shootings neben Schaufensterpuppen über sich ergehen. Noch passt sein Anzug nicht zum Job. Er trägt noch einen dunkles Dior-Modell Größe 94 mit auberginer Krawatte. „Sobald ich bei Boss anfange werde ich auch komplett Boss-Anzüge tragen“, versichert der gebürtige Bielefelder. Er habe bis zu seinem Job bei Dior ausschließlich Boss-Anzüge getragen.

Der gelernte Betriebswirt spricht ruhig, die Gestik mit seinen Händen reduziert sich auf einige kontrollierte Bewegungen. Die ungeschützte Position vor Zuhörern scheint er gewohnt. Er hält sein Eingangs-Statement frei. Kärtchen in seiner Hand geben ihm unauffällig Gedankenstützen. Das macht er so geschickt als sei er ein professioneller Fernsehmoderator. „Kommunikation“, nennt er als erstes, als er den eigenen Führungsstil beschreiben soll. Ein eigenes Team will er nicht mitbringen. „Ich komme allein“. Er habe bei all seinen Stationen ob nun Cartier, Louis Vuitton Dior immer mit den vorhandenen Leuten gearbeitet. Lahrs geht bei der Beantwortung der Fragen immer ein paar Schritte auf den Fragesteller zu. Schon die ersten Eindrücke machen klar, das ist ein Mann der reden, überzeugen und integrieren kann. Diese Eigenschaften wird er Boss nach den Turbulenzen der vergangenen Monate brauchen können.

Er überschüttet Boss mit Komplimenten und wird auch selbst von Komplimenten überschüttet „Wir haben unseren absoluten Wunschkandidaten“, sagt der vom Finanzinvestor installierte Aufsichtsrat Martin Weckwerth. Und auch von ungewohnter Seite kommt uneingeschränkte Zustimmung „Lahrs ist mein Mann. Ich kenne ihn schon lange“, sagt Betriebsratschef Antonio Semina vor der versammelten Wirtschaftspresse. Der Italiener arbeitet seit 32 Jahren bei Hugo Boss und fast schon genauso Lang Betriebsrat. 26 Vorstände und drei Eigentümer hat der 53Jährige bereits in Metzingen kommen und gehen sehen. Nachdem er Lahrs getroffen habe, wollte er die anderen Kandidaten gar nicht mehr sehen, meint Semina.

Vor fünf Jahren wollte Vorgänger Bruno Sälzer Lahrs als Vertriebschef und hatte ihn Semina vorgestellt. Die Verträge waren unterschriftsreif. Aber Lahrs sagte in letzter Minute ab, weil Dior ihm weltweite Verantwortung gab „Diese fünf Jahre werden gewinnbringend für Boss sein“. Betont Lahrs. Er habe damals nie gesagt, dass Deutschland für ihn zu klein sei. Seine Familie freue sich auf Metzingen. Er ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder. „Wir werden in den Großraum Metzingen ziehen“, kündigte der gebürtige Bielefelder an. Von Paris in die Provinz zu ziehen sei kein Problem. Sein Job spiele sich eh in der ganzen Welt ab. Lahrs spielt Golf und soll auch gerne Joggen.

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