Claus Kleber
Ein Moderator kommt

Da hat der „Spiegel“ endlich mal wieder einen Scoop gelandet – wenn auch in eigener Sache. Die Nachricht, dass der Leiter des ZDF-„heute journals“, Claus Kleber, neuer Chefredakteur des Nachrichtenmagazins werden soll, hat selbst Kenner der Branche überrascht.

DÜSSELDORF. Claus Kleber soll den bisherigen Chefredakteur Stefan Aust ablösen. „Er ist der Wunschkandidat der Gesellschafter“, bestätigte jetzt ein Insider. Auch das ZDF erklärte, dass dem 52-Jährigen ein Angebot für den Chefsessel in Hamburg vorliegt. Kleber selbst war am Wochenende wegen einer USA-Reise für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Eine endgültige Entscheidung fällt in den nächsten 14 Tagen. „Ich hoffe auf eine Entscheidung in einer oder zwei Wochen“, sagte Armin Mahler, Sprecher der Mitarbeiter-KG, am Wochenende dem Handelsblatt. Ein genauer Termin für die Gesellschafterversammlung besteht offenbar noch nicht. „Laut Satzung brauchen wir die Zustimmung von Gruner+Jahr“, erläutert Mahler, der beim „Spiegel“ das Wirtschaftsressort leitet. Der „Spiegel“ gehört mehrheitlich der Mitarbeiter KG. Außerdem sind daran die Bertelsmann-Zeitschriftentochter Gruner+Jahr mit 25,5 Prozent und die Erben des Gründers Rudolf Augstein mit 24 Prozent beteiligt. Für die Besetzung des Chefredakteurspostens ist eine Dreiviertelmehrheit notwendig. In Unternehmenskreisen von Gruner+Jahr herrscht unterdessen kein Zweifel, dass Fernsehmann Kleber die erste Wahl ist.

Die Nominierung des ZDF-Moderators ist erstaunlich. Bislang wurde von einer internen Lösung ausgegangen. Offenbar haben aber die Reputation und das diplomatische Geschick Klebers den Ausschlag gegeben. Sowohl die Mitarbeiter-KG als auch Gruner+Jahr haben sich für ihn stark gemacht, berichten Beteiligte.

Für Kleber, den Nachrichtenmann mit den stahlblauen Augen und dem sympathisch-schiefen Gesicht, ist der Magazinjournalismus à la „Spiegel“ komplettes Neuland. Der promovierte Jurist arbeitet seit 31 Jahren beim Fernsehen. Über eine freie Mitarbeit kam er zum Südwestfunk und stieg dort schnell auf. Nach einem Intermezzo als Studioleiter in Konstanz ging er 1986 als Hörfunkkorrespondent nach Washington. Mit Ausnahme einer kurzen Zeit als Chefredakteur des Rias in Berlin blieb er bis 2002 in den USA – zuletzt als Leiter des ARD-Studios Washington. Für seine kritische und hintergründig-analytische Berichterstattung erntete Kleber auch bei Konkurrenten viel Respekt.

Von seinem Talent als Journalist und Moderator war ZDF-Intendant Markus Schächter zutiefst überzeugt, als er Kleber im Februar 2003 als Nachfolger von Wolf von Lojewski beim „heute journal“ des ZDF nach Mainz lockte. Mit seinen charmant-ironischen Moderationen schuf er sich schnell eine treue Fangemeinde vor dem Bildschirm. Er baute das „heute journal“ mit verstärkter Hintergrundberichterstattung und größerer Internationalität zur wichtigsten Nachrichtensendung neben der ARD-„Tagesschau“ aus.

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