Cleary Gottlieb, Latham & Watkins und Milbank zahlen Junganwälten am meisten
Gesucht: Arbeitstiere mit dem Anwaltsgen

Anwälte sind immer im Dienst - wie Polizisten", macht Karl Rauser, Partner bei Nörr Stiefenhofer Lutz, den Assessoren unmissverständlich klar, die sich bei der internationalen Großkanzlei bewerben. Doch anders als die unterbezahlten Staatsdiener erhalten exzellente Junganwälte, die Associates, für ihren Einsatz auch guten Lohn - nach langer, harter Ausbildung:

DÜSSELDORF. Im Schnitt 76 000 Euro Fixgehalt verdienen Berufseinsteiger heute in deutschen Großkanzleien. Dies hat das Juve-Karrieremagazin "Azur" ermittelt. Damit stagniert der Associate-GehälterIndex, der dem Handelsblatt für 2005 exklusiv vorliegt, seit vier Jahren auf hohem Niveau. "Die Zeiten des New Economy-Booms mit teilweise astronomischen Gehaltssteigerungen sind vorbei", erklärt Mathieu Klos, leitender Redakteur von "Azur". "Seit 2002 herrscht ein Arbeitgebermarkt. Kanzleien können sich Bewerber wieder aussuchen, da sie - wie Staat und Unternehmen - weniger einstellen."

Das Gehälterspanne zwischen den Top-Sozietäten ist riesig: Am unteren Ende beginnt Fritze mit 40 000 Euro. Spitzenzahler sind US-Kanzleien, die seit einigen Jahren mit Macht auf den Markt drängen. Cleary Gottlieb sowie Latham & Watkins locken seit vier Jahren mit bis zu 87 000 Euro Fixgehalt. Milbank Tweed - neu als Nachwuchsjäger - will ebenso viel hinblättern, denn noch haben Wall - Street-Sozietäten hier keinen bekannten Namen. "US-Kanzleien zahlen überdurchschnittlich, um für die Top-Absolventen attraktiv zu sein", erklärt Boris Uphoff, Partner von McDermott Will & Emery, München. "Vor fünf Jahren noch boten Freshfields Bruckhaus und Hengeler am meisten, nun liegen sie im oberen Mittelfeld", vergleicht Klos.

"Die Leute sollen nicht in erster Linie des Geldes wegen, sondern wegen der guten Ausbildung zu uns kommen", fordert Nikolaus Schrader, Partner von Freshfields in Hamburg. Trotzdem hat Freshfields letztes Jahr vorsichtshalber nachgelegt und die Gehälter bis zu 5 000 Euro angehoben. Auch Linklaters und Nörr setzten laut "Azur" dieses Jahr das Mindestgehalt um 3 000 beziehungsweise 5 000 Euro herauf. Zum Fixgehalt kommt ein variabler Bonus, der sich nach Sozietätsumsatz und/oder individueller Leistung richtet. Die Grundgehälter sind meist nach Qualifikation gestaffelt. 72 Prozent der Großkanzleien setzen mindestens zwei voll befriedigende Examina voraus, ermittelte "Azur". Knapp 28 Prozent verlangen zudem einen LL.M. oder eine Promotion. Für Kanzleien wie Nörr ist der LL.M. inzwischen wichtiger als der Doktorhut. "Wegen der internationalen Verwertbarkeit", so Rauser.

"Der Pool der heiß begehrten Spitzenleute ist ganz eng begrenzt", weiß Uphoff von McDermott. Der Kampf um die Top zehn Prozent der Kandidaten wird noch härter, wenn nach den Wall-Street-Sozietäten die zweite Welle der US-Kanzleien herüberschwappt, prophezeit auch Klos. Dann dürften die Gehälter im Mittelfeld anziehen. Doch Associates, die es zum Partner schaffen wollen, müssen nicht nur Top-Noten und Titel mitbringen - sie brauchen vor allem eins: das "Anwaltsgen". Der Anwaltstyp soll sich - neben Spaß an der Arbeit - durch Kontaktfreude, Durchsetzungsvermögen und Gespür für Akquise beim Mandanten auszeichnen.

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