Clemens Vedder
Der Firmenjäger

Im Konjunkturtal schlägt die Stunde der Corporate Raider. Sie suchen den Profit und nutzen die Gelegenheiten, die sich ihnen in diesen Monaten bieten. Billig kaufen, teuer verkaufen - das ist auch das Motto von Clemens Vedder.

FRANKFURT. Jetzt kündigte der Großinvestor Clemens Vedder an, dass er den Partnern des angeschlagenen Bankhauses Sal. Oppenheim ihren Anteil am Büroimmobilienunternehmen IVG abkaufen will. Für die gut 20 Prozent müsste er nach aktuellem Kurs mehr als 140 Mio. Euro hinlegen.

Vedder ist ein Erfolgsmensch. Er geht nur kalkulierte Risiken ein und streicht in der Regel einen saftigen Gewinn ein. Bei seinen Vorstößen versteht Vedder es ausgezeichnet, auf der Klaviatur der Kommunikation zu spielen. Ganz gezielt wählte er den Abend nach der erfolgreichen Platzierung von IVG-Aktien an der Börse, Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim und seinen Partnern seine Botschaft in aller Öffentlichkeit zu präsentieren. Hohe Aufmerksamkeit war ihm sicher.

Dabei überzieht er durchaus wie im Fall IVG, glaubt man Insidern. Der Mann Anfang 60 mit den buschigen Augenbrauen spricht von Verhandlungen "Ende dieses und Anfang nächsten Jahres", die fortgesetzt werden sollen. Von denen weiß allerdings nur er. Bislang kam es offenbar zu einer Kontaktaufnahme, mehr aber nicht. Typisch Vedder, der von sich selbst überzeugt ist und Geschäftspartner schon einmal im seidenen Hausmantel empfängt, wie Beobachter berichten.

Der "Privatier mit abgeschlossener Vermögensbildung", wie sich Vedder selbst gerne bezeichnet, zählt in Deutschland zu den ersten Investoren, die unterbewertete Firmen aufkauften, sie auf Vordermann brachten und nach mehreren Jahren wieder abstießen. Seit 1987 ist er an über zehn Übernahmen beteiligt gewesen. Zusammen mit Partnern wie dem Düsseldorfer Kaufmann Klaus-Peter Schneidewind beteiligte er sich an zahlreichen Firmenübernahmen. Der Finanzier mischte bei Unternehmen wie Kaufhof und Horten mit. Zurzeit steuert der Fan der Rolling Stones seine Aktivitäten über den Hedge-Fonds Blacksmith mit Sitz auf den Cayman Islands. Von dort aus will er bei IVG für Rock'n Roll sorgen.

Richtig bekannt wurde der Mann mit den zurückgekämmten Haaren allerdings erst durch die Cobra Beteiligungsgesellschaft, an der er maßgeblich beteiligt war. Mit Cobra wollte er die Commerzbank im Jahr 2000 in eine Fusion zwingen. Dabei schien ein Merger mit der Dresdner Bank möglich. Cobra scheiterte am Widerstand des Managements. Doch Ironie der Geschichte: Heute sind die beiden Institute dennoch eins.

Trotz aller Bemühungen hat es Vedder aber nie geschafft, Anerkennung in der deutschen Finanzcommunity zu gewinnen. Sie blieb ihm versagt. Anders in den USA: Da zählt der große Raider Carl Icahn zu den Finanziers, die gefürchtet, aber gleichzeitig geachtet werden.

Kurzvita

1947: Clemens Vedder wird geboren. Er absolviert später eine Lehre als Einzelhandelskaufmann.

1966: Vedder wird mit gerade einmal 19 Jahren der jüngste Einkäufer des gesamten Hertie-Konzerns. In den 70er- und 80er-Jahren wird er einer der erfolgreichsten Verkäufer für Steuersparmodelle.

1987: Vedder konzentriert sich mit seinem Partner Klaus-Peter Schneidewind auf Investitionen im Bereich Private Equity. Er restrukturiert unter anderem Metro und Horten.

1995: Übernahme des Lebensmittelkonzerns Spar.

1997: Verkauf der Beteiligung an die französische Intermarché.

2007: Gründung Goldsmith Group mit Hedge- Fonds Blacksmith.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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