CNN-Starreporterin Christiane Amanpour berichtet von den Krisengebieten der Welt
Immer da, wo es brennt

Für einen Moment sieht es so aus, als gerate Christiane Amanpour aus der Fassung. Dann ziehen sich die Augen der Reporterin zu katzenhaften Sehschlitzen zusammen. „Natürlich würde ich Osama bin Laden oder Saddam Hussein interviewen“, sagt sie und schüttelt lachend das braunschwarze Haar. Ihre rauchige Stimme klingt angriffslustig. „Ich bin schließlich Journalistin, oder?“

LONDON. Genau diese Herausforderung treibt die 44-Jährige seit Jahren um den Globus. Nicht jeder kennt ihren Namen, doch ihr Gesicht hat sie berühmt gemacht. Mal mit Helm und kugelsicherer Weste, mal im Khakianzug, berichtet sie für den US-Fernsehsender CNN International, der seine Präsenz von London aus in Europa stark ausgebaut hat.

Somalia, Ruanda, Ex-Jugoslawien, Pakistan – „Wo Krieg ist, da ist Amanpour“, lautet ein Spruch in der Branche. Das „Time Magazine“ hat sie zur einflussreichsten Auslandskorrespondentin erklärt, und angeblich soll im Pentagon eine Karte hängen, wo kleine Sticker ihren Aufenthaltsort festhalten. Damit nichts mit der Berichterstattung schief läuft.

Vergangenen Monat war sie wieder in Afghanistan. „Es gibt dort noch sehr viel zu tun", sagt sie nachdenklich in der Londoner CNN-Zentrale, wo sie, mitten im quirligen Stadtteil Soho, ihre Reportagen zusammenschneidet. Diese Dokumentation über den schwierigen Aufbau des Landes liegt ihr am Herzen. Die größte Gefahr ist, sagt Amanpour, dass Afghanistan wieder an Terroristen fällt. Die Welt ist ihr nicht egal.

Und schon ruft der nächste Einsatz, eine Nachlese im Irak. Oder will sie eher Saddams Spur folgen? „Der ist doch auf der Flucht“, winkt sie so heftig ab, dass ihre schweren Armreifen klackern. Das Versteckspiel dürfte die Journalistin kaum hindern. Denn schon oft hat sie es geschafft, verschlossene Türen zu öffnen. Die Frau, die schon viele Auszeichnungen erhielt, hatte das erste Interview mit dem jordanischen König Abdullah II, mit Irans Präsidenten Chatami. Sie interviewte 1999 exklusiv Hillary Clinton und im vergangenen Jahr den eingeschlossenen Palästinenserführer Arafat.

Sie ist selbst überrascht, dass sie sich als Amerikanerin in arabischen und anderen moslemischen Staaten Zugang in höchste Kreise verschaffen kann. „Eine Frau zu sein öffnet oft Türen“, so ihre Erfahrung, „gerade in Ländern, in denen man es gar nicht erwartet.“ Ein Grund ist auch, dass Amanpour nicht zur Sorte unbedarfter Plaudertaschen gehört. Alles an der Frau, die gern Hosen und Goldschmuck zu ihrem dunklen Teint trägt, strahlt Ruhe und Besonnenheit aus.

Einreiseverbot in den Iran

Aber es sind nicht nur die Äußerlichkeiten. „Eine Hälfte von mir ist iranisch“, sagt sie. Wenn auch in London geboren, hat Amanpour einen Teil ihrer Kindheit im Iran verbracht und spricht die Landessprache Farsi. Diese Wurzeln machen es ihr leichter als anderen westlichen Journalisten, die Menschen in Ländern wie Irak oder Afghanistan zu verstehen, ist sie überzeugt. Das ist nicht immer von Vorteil. Nach einer kritischen Reportage verhängte Teheran ein langes Einreiseverbot.

Die Ajatollahs haben ihre Familie 1979 aus dem Iran vertrieben, sagt sie. Die eigene Erfahrung mit einer Diktatur habe sie geprägt. Auch ihre heutige Meinung über die US-Politik in Afghanistan und im Irak: „Allein der Mangel an Freiheit und wie die Frauen dort unterdrückt worden sind, rechtfertigt sie.“

Sie will objektiv berichten, aber auch gegen Aggressoren Stellung beziehen. „Wenn man neutral ist, kann man sehr schnell zum Helfershelfer werden“, hat sie nach ihren Erfahrungen in Bosnien gesagt. Ihr wurde vorgeworfen, sie habe Nachrichten manipuliert. Solche Behauptungen kämen aus einem unfairen Anti-Amerikanismus, kontert sie. Aber sie ist keine blinde Verfechterin der US-Politik. Im Irak habe die Presse sich mundtot machen lassen, hat sie im Interview erklärt, auch ihr Sender sei durch die Bush-Regierung „eingeschüchtert“ worden. Darauf bat sie angeblich ihr Vorgesetzter zu einer „privaten Unterhaltung“. Im Londoner CNN-Gebäude will sie nicht darüber reden. „Ich habe gesagt, was ich gesagt habe“, antwortet sie fast schroff und verschränkt die Arme vor der Brust.

Die Britin mit den iranischen Wurzeln ist seit 1998 mit James Rubin verheiratet, einem früheren Topberater im Weißen Haus unter Bill Clinton. Sie leben mit ihrem Sohn Darius John im Zentrum von London. Als der Afghanistankrieg losging und Amanpour für längere Zeit in die Region musste, war der Kleine gerade 18 Monate alt. „Das war schon hart“, erinnert sie sich.

Seitdem weiß sie, dass ihr Beruf Grenzen hat. „Es wird immer schwieriger, die Verantwortung als Mutter und als Korrespondentin zu verbinden“, sagt sie, und es klingt etwas wie Jobmüdigkeit durch.

Was kann sie überhaupt noch reizen? Osama, Saddam und Nordkorea zählt sie auf, aber es hört sich wie ein Pflichtprogramm an. Doch dann blitzen ihre Augen: „Als erste Reporterin auf den Mond fliegen, das wär's!“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%