Coachs Manager
Zurückgeschickt zum Streicheln

Wer Pferde führen kann, der kann auch Mitarbeiter lenken. Nach dieser Devise machen Coachs Manager zu guten Leittieren: Sich besser einschätzen lernen sie, Vertrauen gewinnen und sich durchzusetzen.

DÜSSELDORF. Vollblutaraber Cassija grast friedlich, als Max Boll* die Koppel betritt. Einfach nur den Raum wahrnehmen, nichts von dem Pferd wollen, nur bei sich sein – das ist die erste Aufgabe, die Reittherapeutin Nancy Franke dem Vorstand eines Berliner High-Tech-Unternehmens an diesem Sommertag stellt. Die Reaktion des Pferdes lässt nicht lange auf sich warten: Nervös trabt die schneeweiße Stute die Koppel auf und ab. „Cassija ist ein sensibles Pferd und gibt deutlich zu verstehen, wenn sie zu viel Druck verspürt“, erklärt Pferdewirtin Franke dem irritierten Manager ein paar Minuten später. Boll ist erstaunt: Seine bloße Präsenz soll bewirken, dass andere sich unter Druck gesetzt fühlen?

In Ringenwalde in Brandenburg lernen Manager wie Boll im Umgang mit Pferden, sich als Führungskraft besser einzuschätzen, Vertrauen zu gewinnen und sich durchzusetzen. Bin ich klar, entschlossen, gelassen und verbindlich genug, dass andere mir folgen wollen – kurz gesagt: eine gute Führungskraft? „Wer eine ehrliche Antwort auf diese Frage haben will, kann keinen besseren Trainingspartner finden als Pferde“, berichtet Psychologin Christiane Schaper, die das Führungskräftetraining mit Pferden entwickelt hat: „Pferde sind Flucht- und Herdentiere, sie brauchen ein Leittier, um zu überleben. Deshalb überprüfen sie zum eigenen Schutz die Führungsqualität von Menschen, bevor sie ihnen vertrauen und folgen.“

Dabei erspüren die Lügendetektoren auf vier Beinen instinktiv, wer das Zeug zum Leittier hat – und wer nicht. „Sie reagieren auf das, was hinter dem Äußeren liegt“, bestätigt auch Managercoach Sofie Albert-Meisieck, die in Holzminden Persönlichkeitsschulungen mit Pferden durchführt. Albert-Meisieck: „Outfit, Kontostand und Titel können sie nicht bestechen, dafür aber registrieren sie wie Seismographen jede Unsicherheit, jedes Abschweifen und jegliches Verlangen nach Macht.“ Was sie als Trainer für Führungskräfte zudem so wertvoll macht: Sie sind nicht nachtragend und wägen jeden Augenblick aufs Neue ab, ob ihr Gegenüber ranghöher oder rangniedriger ist – und ob sie ihm das eigene Leben anvertrauen wollen.

Genau diese Erfahrung machte Boll. Als der Vorstandschef in Cassijas Gehege trat, vermittelte seine Körpersprache zwar Klarheit („Ich weiß, was ich will“) und Entschlossenheit („Ich weiß, wie man Ressourcen einsetzt, um Ziele zu erreichen“) und damit immerhin zwei von vier Eigenschaften, die ihm bei Pferden wie bei Menschen im Prinzip die Anerkennung als Leittier sichern könnten. Doch von Cassija in ihrer Nähe akzeptiert zu werden, fehlte es dem Manager an Gelassenheit („Ich bleibe ruhig“) und an Verbundenheit („Ich nehme dich und deine Nöte wahr und bin bereit, mich für das Überleben der Gruppe einzusetzen“). „Es sind diese vier Kernqualitäten, die eine gute Leitstute oder einen guten Leithengst ausmachen. Wir versuchen, sie bewusst zu machen und miteinander in Einklang zu bringen“, erläutert Schaper.

Seite 1:

Zurückgeschickt zum Streicheln

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%