Cocktail mit Moosbeeren
Medien-Tycoon Redstone verkauft Viacom

Sumner Redstone steht leidenschaftlich gerne auf dem Siegertreppchen. Doch derzeit erlebt der US-Medienmogul eine Talfahrt. Weil auf seiner Kino- und Theaterkette National Amusements ein gewaltiger Schuldenberg lastet, musste der 86-Jährige nun große Anteile an seinen beiden Konzernen Viacom und CBS verkaufen.
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DÜSSELDORF. Bescheidenheit war noch nie die Sache des US-Medienmoguls Sumner Redstone. "Ich habe meine Autobiografie nicht umsonst ,A Passion to Win? genannt, ich stehe wirklich leidenschaftlich gern oben auf dem Siegertreppchen", sagt der 86-jährige Medienunternehmer, dem die beiden Medienkonzerne Viacom (MTV, Paramount, Nick) und CBS gehören. In diesen Tagen steht aber kein Siegertreppchen für den als Egozentriker bekannten Unternehmer bereit.

Auf Redstones Kino- und Theaterkette National Amusements lastet ein gewaltiger Schuldenberg. Um die Forderungen der Banken zu bedienen, hat sich nun der Medien-Tycoon überraschend von großen Aktienpaketen an seinen Konzernen Viacom und CBS für insgesamt 947 Millionen Dollar getrennt.

Bisher hielt Redstone über seinen Konzern National Amusements noch 82 Prozent der stimmberechtigten Aktien an Viacom und 81 Prozent an der Fernsehgruppe CBS. An den Machtverhältnissen in den beiden Medienkonzernen wird sich trotz der Transaktion wenig ändern. Selbst nach dem Verkauf besitzt Redstone noch immer über 75 Prozent der stimmberechtigten Anteile.

"Redstone macht immer genau das Gegenteil von dem, was er behauptet", sagte am Donnerstag ein amerikanischer Brancheninsider, der den Milliardär seit Jahren kennt. "Er ist einfach ein totaler Angeber, der große Sprüche reißt." Auch in diesem Fall waren Worte und Taten zwei Paar Stiefel. Noch im vergangenen Herbst behauptete Redstone in einer Telefonkonferenz, dass "er nicht die Absicht habe, auch nur eine Aktie von Viacom oder CBS zu verkaufen". Sentimental fügte er an: "Viacom ist die Liebe meines Lebens."

Nun aber ist die Liebe verblasst. Sowohl die Musiksender MTV als auch der Kindersender Nickelodeon oder das Hollywood-Studio Paramount erleben schwere Zeiten. Beispielsweise in Deutschland sind die großen Zeiten der Musikkanäle à la MTV längst passé. Die rund 300 Millionen Euro teure Übernahme des Videoclipsenders Viva war ohnehin ein kostspieliger Fehlgriff. Fernsehmanager spekulieren, dass die beiden Geschäftsführer Daniel Ligtvoet und Marco de Ruiter MTV und Viva von Berlin nach Amsterdam verlegen könnten. Ein Umzug in die niederländische Metropole würde viel Geld sparen. Entsprechende Branchengerüchte wurden von MTV allerdings demetiert. "MTV hält unverändert am Standort Berlin fest", sagte eine Sprecherin am Freitag.

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