"Collaborative Engineering"
Entwickler synchronisieren ihre Arbeit per Internet

Dass Ingenieure von verschiedenen Standorten der Welt aus im virtuellen Raum gleichzeitig an einem Produkt arbeiten, ist bisher Science Fiction. Doch die Grundlagen dafür setzen sich gerade durch: Das heißt dann "Collaborative Engineering" (CE).

BREMEN. Wo früher alle Beteiligten mit eigenen Bauplänen und IT-Konzepten gearbeitet haben, sind heute Systeme wie die Projektmanagement-Software "RPlan" des Münchener Anbieters Actano zwischengeschaltet. Pfeile bezeichnen die Verfügbarkeit von Bauteilen, und Ampel-Symbole zeigen frühzeitig an, ob Liefertermine eingehalten werden können.

Der Bedarf für diese Art des Collaborative Engineering ist groß: So haben beispielsweise die großen Automobilhersteller die eigene Wertschöpfungstiefe auf bis zu 30 Prozent heruntergeschraubt und arbeiten deshalb schon bei der Entwicklung neuer Produkte eng mit Zulieferern zusammen.

Viele Betriebe haben Teile der Produktentwicklung und des Designs gleich ganz in andere Länder verlegt. "Langfristig werden die kleinen und mittelständischen Zulieferer nicht darum herum kommen, sich über CE-Systeme in die große Entwicklungskette einzugliedern", prophezeit Michael Resch, Direktor des Höchstleistungsrechenzentrums Stuttgart.

Vor rund zwei Jahren starteten erste Initiativen zur unternehmensübergreifenden Zusammenführung der Produktentwicklung. Anbieter von CE-Lösungen verspüren seitdem eine enorm ansteigende Nachfrage: Bei Actano legt sie nach eigenen Angaben um 40 Prozent pro Jahr zu.

Großunternehmen berichten von erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen: "CE schafft Transparenz, und wertvolle Entwicklungszeit wird frei", sagt Thomas Pantleon, Leiter Technische Informationssysteme bei der DaimlerChrysler AG. Bei der BMW Group soll sich die CE-Software allein dadurch amortisiert haben, dass die Lieferanten nun besser in den Prozess eingebunden und die Arbeitsabläufe effizienter geworden sind.

Dass Collaborative Engineering sich auch für kleine und mittelständische Lieferanten lohnt, davon ist Holger Wenzel überzeugt, CE-Experte der Engineous Software GmbH. Der Grund: "Sobald eine gemeinsame Technik zur Kommunikation über den Entwicklungsprozess steht, werden Zulieferer nicht mehr ganze Modelle an den Hersteller abgeben müssen."

Bisher, erklärt Wenzel, müssten die Lieferanten oft das komplette Know-how zu einem Bauteil offen legen, wenn Hersteller die Zusammenarbeit prüfen. "In einem gemeinsamen CE-System reicht es, die äußere Form einzupflegen." Das Wissen bleibt dann beim Zulieferer.

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