Comeback
Eliot Spitzer: Auferstehung eines Gefallenen

Vor einem Jahr musste Eliot Spitzer wegen einer Callgirl-Affäre als Gouverneur von New York zurücktreten. Jetzt versucht er sich im Immobiliengeschäft.

NEW YORK. Viele haben das Bild seines Rücktritts noch vor Augen. Wie der hochgewachsene Mann mit niedergeschlagenem Blick sein Todesurteil als Politiker spricht: "Ich habe gegen meine eigenen Maßstäbe von Recht und Unrecht verstoßen." Neben ihm steht seine Frau mit verweintem Gesicht, reglos, wie versteinert.

Ein Jahr ist das jetzt her. Eine Prostituiertenaffäre hatte den damaligen Gouverneur des Staates New York, Eliot Spitzer, zu Fall gebracht. Er war Opfer seiner Hybris geworden und seiner ans Autistische grenzenden Fähigkeit, Teile der Wirklichkeit auszublenden. Danach mied der früher so umtriebige Jurist die Öffentlichkeit, wartete auf Erbarmen durch Vergessen. Jetzt meldet sich der 49-Jährige zurück - als Immobilieninvestor in der Firma seines Vaters.

Vor wenigen Tagen kaufte er für 180 Mio. Dollar ein 13-stöckiges Bürohaus in Washington von einer Private-Equity-Firma, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten war. Normalerweise geht so ein Geschäft ohne viel Aufhebens über die Bühne. Doch Spitzer inszenierte den Deal als Comeback. Er gab ein Interview und schwärmte von seiner neuen Tätigkeit: "Ich liebe die Vitalität und die Dynamik und den Wettbewerb der Branche." Schwierige Zeiten? Nicht für Spitzer. "Wir haben es doch eher mit psychologischen als mit echten ökonomischen Problemen zu tun", glaubt er. Noch immer macht er sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

Das Immobilienbusiness ist Eliot Spitzers dritte Karriere. Seine erste startete der Harvard-Absolvent als Jurist, und sie führte ihn bis ins Amt des Generalstaatsanwalts. "Sheriff von New York" wurde er genannt, weil er so unnachgiebig gegen Korruption und Vetternwirtschaft an der Wall Street vorging. Zehn Geldhäuser, von Goldman Sachs über Merrill Lynch bis zu UBS Warburg, zahlten 2002 insgesamt 1,4 Mrd. Dollar, damit ein Verfahren wegen Kursmanipulation eingestellt wurde. Den ehemaligen Chef der New Yorker Börse, Dick Grasso, zog Spitzer vor Gericht, weil er dessen Abfindung von 140 Mio. Dollar als überhöht betrachtete.

Die Wall Street hasste ihn - doch bei den Bürgern kam sein Kesseltreiben gut an. Sie wählten ihn 2006 zum Gouverneur von New York - Spitzers zweite Karriere als Politiker hatte begonnen. "Alle, die öffentliche Ämter bekleiden, müssen in Denken und Handeln demonstrieren, dass sie ihrer Verantwortung den Bürgern gegenüber gerecht werden", forderte er damals. Alle - bis auf einen. Spitzer drangsalierte und beschimpfte Abgeordnete von der Opposition. Nach einem halben Jahr im Amt der erste Eklat: Seine Mitarbeiter hatten einen politischen Gegenspieler wochenlang von Polizisten bespitzeln lassen.

Und dann kam die brünette Kristen, die der Gouverneur von New York nach Washington anreisen ließ, für 4300 Dollar zuzüglich Reisespesen. Das FBI hatte gegen den internationalen Callgirl-Ring ermittelt und war dabei unversehens auf den Kunden Spitzer gestoßen. Die amerikanische Öffentlichkeit war fassungslos. Es war nicht nur ein moralischer Skandal. Es schien so unbegreiflich, dass ein hochintelligenter Mann wie Spitzer, mit den Regeln des politischen Geschäfts vertraut, blind seine gesamte Karriere aufs Spiel gesetzt hatte. Sein Ruf, glaubte man damals, sei für Jahre zerstört.

Gemessen daran, ist er ziemlich schnell zurück. Und es scheint, als sei diese Rückkehr sorgfältig orchestriert. Zeitgleich zu Spitzers Interview mit dem Wall Street Journal ließ sich seine Frau Silda Wall Spitzer von der Modeillustrierten Vogue porträtieren. Überschrift: "The Survivor", die Überlebende. Auch sie hat einen neuen Job, beim Hedge-Fonds Metropolitan Capital Advisors. Nichts deutet darauf hin, dass die Ehe zerbrochen ist. "Eliot ist ein wunderbarer Mensch mit viel Humor", sagt sie. Die öffentliche Loyalitätsbekundung flankiert das Comeback des Gatten.

Bei seinem Rücktritt als Gouverneur hatte er versprochen, künftig der Gemeinschaft zu dienen. Nun geht er lieber in die Immobilienfirma seines Vaters. Der 85-jährige Bernard Spitzer ist seit sechs Jahrzehnten im Geschäft. Er ist ein konservativer Geschäftsmann, der Büro- und Luxusapartmenthäuser in Manhattan baute und die Gebäude jahrzehntelang hielt. Sein Sohn wird das Geschäftsmodell womöglich ändern. Die Tageszeitung "New York Sun" berichtete vergangenen Juni von einem Treffen Spitzers mit potenziellen Investoren, bei dem er ihnen seinen Plan vorstellte, einen auf notleidende Immobilien spezialisierten Hedge-Fonds zu gründen. Er wolle die väterliche Firma "auf die nächsthöhere Ebene" bringen, soll Spitzer gesagt haben.

Doch die Niederungen sind nah. Mit dem Callgirl Kristen traf sich Spitzer seinerzeit im Washingtoner Nobelhotel Mayflower. Es liegt nur einen Block entfernt von dem Bürohaus, das er nun kaufte. Nicht gerade geschickt, wenn man seine Vergangenheit hinter sich lassen möchte. "Was hat er sich nur dabei gedacht?" fragte die Immobilienreporterin des Wirtschaftssenders CNBC, Diana Olick. "Gibt es nicht eine Menge anderer netter Gebäude in Washington, die zum Verkauf stehen?"

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