Comictradition
Snoopys Mutter pflegt das Erbe

Dank Jeannie Schulz sind die Peanuts auch Jahre nach dem Tod ihres Zeichners ein Erfolg. Dabei legt die 66-Jährige vor allem Wert darauf, dass der Kommerz das gute Image von Charlie Brown & co nicht ankratzt.

SANTA ROSA. 27 Ehejahre saß sie an seiner Seite und schaute ihm beim Zeichnen zu. Dann, am Abend des 12. Februar 2000, schlief Charles Schulz in ihren Armen friedlich ein. Der Snoopy-Erfinder war tot. „Ich fühlte mich allein gelassen“, sagt Jeannie Schulz heute. Und völlig überfordert.

War doch die studierte Literaturwissenschaftlerin mit einem Schlag für Creative Associates verantwortlich, den Verwalter des Peanuts-Erbes mit 35 Millionen Dollar Umsatz jährlich. „Das kann einen schon kurz in Schock versetzen, wenn du plötzlich als Snoopys neue Mutter auftreten musst“, erzählt die 66-Jährige mit dem grauen Kurzhaarschnitt und den funkelnden blauen Augen.

Nun versucht sie, das Erbe so weiterzuführen, wie es sich ihr Mann gewünscht hätte. Zum Beispiel wird Snoopy auch weiter nicht für jede sich bietende Gelegenheit als Werbefigur verkauft. Kommerz darf das gute Image nicht ankratzen. Jeannie Schulz glaubt, dass sie das Peanuts-Erbe deshalb so gut im Griff hat, weil sie leidenschaftliche Trapez-Turnerin ist und durch den Sport gelernt habe, „meinem Körper und meinen Fähigkeiten zu vertrauen“. Dreimal in der Woche fährt sie auf die Ranch einer Freundin, um dort durch die Luft zu wirbeln: „Ein bisschen Exzentrik muss sein.“ Vielleicht verleiht ihr dies die Kraft, die Peanuts weiter am Markt zu halten. Seit dem Tod von Charles Schulz hat kaum eine US-Zeitung die Peanuts eingestellt, obwohl es nur noch Wiederholungen gibt. „Jeannie hat es geschafft, die Serie am Leben zu erhalten, obwohl ihr geistiger Vater schon seit sechs Jahren nicht mehr lebt“, sagt Yoshiteru Otani, ein japanischer Künstler, der sich um die Vermarktung in Japan kümmert.

Er erhielt auch die Aufgabe, das Peanuts-Museum im kalifornischen Santa Rosa zu entwerfen. Es ist – typisch Peanuts – keine postmoderne Kultstätte mit Computerspielen und Looping-Achterbahn. „Ich möchte kein Museum, das meine Person zelebriert, sondern die Peanuts in den Vordergrund stellt“, war die Botschaft, die Charles Schulz kurz vor seinem Tod seiner Frau mit auf den Weg gab. Heute können Fans durch ein Labyrinth in Snoopy-Kopfform irren und durch das nachgebaute Studio von Schulz flanieren.

„Ich nehme das Erbe meines Mannes sehr ernst“, sagt Jeannie Schulz und packt ihren Rucksack. Heute ist Mittwoch: Trapez-Tag. „Wissen Sie“, sagt sie, „manchmal, wenn ich so durch die Luft fliege, dann habe ich das Gefühl, mein Mann ist bei mir. Und so lange mache ich weiter.“

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