Commerzbank-Chef
Herr Müller und die Fusionen

Es ist beinahe ein Reflex: Wer „Müller“ und „Commerzbank“ hört, denkt automatisch „Fusion“ oder „Übernahme“ dazu. So oft hat der eloquente Bankchef schon von Übernahmen geredet, dass man es nicht mehr hören konnte. Jetzt ist ihm mit dem Kauf der Eurohypo eine gelungen.

HB DÜSSELDORF. Als Klaus-Peter Müller im Jahr 2001 die Führung der Commerzbank übernahm, hatte das Institut seinen größten Fusionsversuch allerdings schon hinter sich. Ein Jahr zuvor hatte sein Vorgänger Martin Kohlhaussen mit der Dresdner Bank über eine Fusion verhandelt. Aber es wurde nichts draus.

Müller übernahm also eine selbstständige Bank. Eine Bank mit großem Namen und kleiner Börsenkapitalisierung. Die Commerzbank war – und ist – eine typische Universalbank deutscher Tradition: überall vertreten, kann alles, macht alles, hat aber in keinem Bereich eine herausragende Marktstellung oder eine einmalige Kompetenz. Immerhin: Müller nutzte die Erholung der Kapitalmärkte, um seine Bank finanziell wieder auf stabile Beine zu stellen.

Der neue Chef wurde anfangs aber eine Zeit lang von einem mysteriösen Großaktionär namens Cobra verfolgt, der etwa zehn Prozent des Aktienkapitals hielt und im Verdacht stand, die Filetierung des Konzerns zwecks anschließendem Verkauf der Einzelteile zu betreiben. Er besetzte also einen unbequemen Chefsessel. Das Handelsblatt befand daher im Sommer 2001: „Die Commerzbank braucht auf Dauer einen starken Mehrheitsaktionär.“ Fortan lieferte Müllers Bank mit hoher Verlässlichkeit einen stetigen News- und Gerüchteflow zum Thema Fusionen. Zum Teil tauchten Storys aus unbekannten Quellen am Markt auf, oft genug sorgte Müller auch selbst mit offenherzigen Bemerkungen für Spekulationen.

Fast noch lieber spricht Müller aber über Banken, die er selber gerne übernehmen würde – um so seine strategische Unabhängigkeit zu belegen. Zählen wir zunächst einmal auf, wen die Commerzbank nach eigenem Bekunden gerne übernommen hätte – zum Teil betrieb sie ernsthafte Verhandlungen, zum Teil blieb es bei eher beiläufigem Interessen: die Sparkasse Stralsund, die Frankfurter Sparkasse von 1822, die Bausparkasse BHW, die DAB Bank, die BHF-Bank... haben wir noch eine Adresse vergessen? Ja, die marode Schmidt-Bank: Die hat Müller im vergangenen Jahr tatsächlich für rund 60 Millionen Euro gekauft. Und jetzt die Eurohypo.

Als zweite Kategorie könnte man die Banken definieren, mit denen Müller auf Augenhöhe über einen Zusammenschluss gesprochen hat oder gerne hätte. Zunächst fällt einem da die Hypo-Vereinsbank ein. Müller hat so oft über eine mögliche Fusion mit dem Münchener Institut geredet, dass die „Süddeutsche Zeitung“ dies schon als einen „Akt der Verzweiflung“ wertete. Aus München kam Schulterzucken – und in diesem Sommer erledigte sich das Thema mit der Übernahme der HVB durch Unicredito. Das wäre denn der zweite große Name: Mit den Italienern hatte Müller schon 2001 verhandelt – ohne Erfolg. 2004 fand Müller auch, die Deutsche Postbank, „das wäre was für uns“. Schließlich kam vor kurzem sogar eine mögliche Fusion mit der WestLB ins Gespräch – eine Eintagsfliege.

Als dritte Kategorie gibt es schließlich die Banken, die angeblich die Commerzbank kaufen wollten. Hier finden sich fast alle großen Namen aus dem Ausland: HSBC, Royal Bank of Scotland, BBVA, ABN Amro, BNP Paribas – aber keine griff zu.

Ist die Commerzbank plus Eurohypo nun kein Übernahmekandidat mehr? Die Bank ist größer geworden. Aber nicht so groß, dass es einen kapitalstarken Ausländer am Zugriff hindern würde – wenn er tatsächlich Interesse am deutschen Markt hätte. Deswegen dürfte Müllers Bank auch weiterhin für Übernahmegerüchte sorgen.

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