Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller im Porträt
Der Kommunikator vom 48. Stock

Wenn in Deutschland eine Bank zu verkaufen ist, lohnt ein Anruf im 48. Stock im Hochhaus am Kaiserplatz in Frankfurt. Dort hat Klaus-Peter Müller sein Büro – und der 59-jährige Chef der Commerzbank scheint zurzeit an fast allem interessiert, was mit Banken zu tun hat. Zunächst wollte er die Sparkasse Stralsund. Als deren Privatisierung abgesagt wurde, griff er sich die Schmidt-Bank in Hof. Vor wenigen Tagen schließlich bekundete er Interesse an der BHF-Bank.

FRANKFURT/M. Kein Zweifel: „KPM“, wie Müller genannt wird, ist in der Offensive. Dabei ist es erst anderthalb Jahre her, dass böse Gerüchte über angebliche Liquiditätsprobleme der Bank gestreut wurden und die Aktie gefährlich abschmierte. „Wir werden kämpfen“, versprach er damals. Heute steht das Haus wieder auf sicherem Fundament, und Müller kann als Mini-Konsolidator der Finanzbranche auftreten.

Wohl nicht jeder hat dem in der Eifel geborenen, sich aber als Düsseldorfer fühlenden Banker eine solch rasche Wende zugetraut. Der klein gewachsene, meist freundliche Mann wird bei der ersten Begegnung gerne unterschätzt. Das Image vom umgänglichen Banker mit der jovial-rheinischen Art stimmt zwar, aber der nette Herr Müller kann auch hart durchgreifen.

Das tat er, kaum dass er 2001 den eher auf Distanz achtenden Martin Kohlhaussen als Vorstandschef abgelöst hatte. Just zu diesem Zeitpunkt rutschte die Finanzbranche in die schlimmste Krise ihrer Geschichte. Statt große Strategien auszutüfteln, musste der Fan von Fortuna Düsseldorf eisern sparen, sanieren und über 7 000 Stellen abbauen.

Bei der Rosskur kam ihm sein offenes Auftreten zugute. „Man hat nicht das Gefühl, dass Informationen zurückgehalten werden“, lobt ein Arbeitnehmervertreter. Überhaupt gilt der Oberstleutnant der Reserve, der während seiner Bundeswehrzeit in der Kommunikation tätig war und ein Faible für Journalismus pflegt, als größtes Kommunikationstalent der Branche – nach innen wie außen. Als Deutschlands Mittelstand lauthals eine Kreditklemme beklagte, kündigte er öffentlichkeitswirksam eine „Mittelstandsoffensive“ in Form neuer Kredite an.

Im Vorstand wird sein Stil ebenfalls geschätzt. „Wir sprechen auch Probleme im eigenen Bereich offen an und helfen einander – das ist Müllers Verdienst“, lobt ein Vorstand. Sogar in der Außendarstellung lässt der Chef seinen Vorstandskollegen ungewöhnlich viel Raum. Allenfalls wenn sie sich allzu dezidiert zur großen Konzernlinie äußern, gibt es einen Rüffel.

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