Compliance auf dem Oktoberfest
Darf ich mit meinem Geschäftspartner zur Wiesn?

Das Oktoberfest ist nicht nur Folklore. Konzerne wie Siemens oder Unicredit nutzen die Wiesn auch zur Kontaktpflege. Doch darf eine Firma den Geschäftspartner zur zünftigen Brotzeit einladen?
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DüsseldorfBei aller bayerischen Gemütlichkeit: Das Oktoberfest zieht auch zahlreiche Geschäftsleute an. Bei einem Hendl und einer Maß mutet das Kennenlernen gleich viel lockerer an. Doch wer einen netten Nachmittag mit seinem Geschäftspartner verbringen will, der sollte sich vorher genau über die Compliance-Regeln im Unternehmen informieren – und einige Tipps beherzigen.

Seit Samstag strömen Millionen Menschen nach München zum Oktoberfest. Allein am ersten Wochenende kamen fast eine Million Besucher auf die Theresienwiese, tranken fast eine Million Mass und verzehrten insgesamt zwölf Ochsen. Gerade für Gäste aus dem Ausland zählt die Wiesn zu einer der beliebtesten Attraktionen.

Grundsätzlich ist auch für Unternehmen gegen die Einladung auf die Wiesn nichts einzuwenden, findet Alexander Schemmel. Der Rechtsanwalt der Kanzlei Roxin hat sich auf Compliance, also auf die Einhaltung bestimmter rechtlicher Richtlinien in Unternehmen, spezialisiert. „Die Wiesn würde ich für einen Besuch mit dem Geschäftspartner freigeben“, sagt er. Er sieht das Volksfest auf einer Linie mit einer Einladung zum Fußballspiel: Auch dort gebe die Möglichkeit, sich in einem ungezwungenen Rahmen zu treffen. Doch nicht alle Konzerne sehen den Besuch eines Events mit dem Geschäftspartner so entspannt.

Siemens, Unicredit und Sky nutzen das Volksfest zwar zur Kontaktpflege. Doch die Großkonzerne sind darauf bedacht, keinen falschen Eindruck zu erwecken. Compliance-Experte Schemmel hat festgestellt: „Die Wiesn scheint für viele Konzerne ein rotes Tuch zu sein.“

Der Münchner Dax-Konzern Siemens etwa sagt zwar, dass die Geschäftseinheiten die Möglichkeit hätten, „Kunden zum Oktoberfest einzuladen“. Doch der Sprecher betont zugleich: Wie bei anderen Events auch seien dabei die Geschäfts- und Unternehmensrichtlinien „für Geschenke und Einladungen einzuhalten“. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Allerdings ist Siemens erst vor wenigen Jahren mit einer Korruptionsaffäre in die Schlagzeilen geraten.

Die Bank Unicredit hat ihre Kundeneinladungen zum Oktoberfest sogar „stark reduziert“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Das Geldhaus verweist darauf, dass man den Besuch meist mit einem „fachlichen Informationsteil“ verbinde. Zudem werde die Einladung „in enger Abstimmung“ zwischen den Geschäftsfeldern und der Compliance-Abteilung verschickt.

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Auf die Magnum-Flasche lieber verzichten

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  • Hätte ich einen Lieferanten in München, der einen Auftrag von mir will, dann soll er mich lieber in einen kleinen gemütlichen Biergarten einladen und keinesfalls auf diese überteuerte Massenabfüllstation schleppen mit jeder Menge besoffener, gröhlender Plebs drumherum! (:

  • Für wichtig halte ich in diesen Fällen auch die Vorschriften welche Firmen ihren Mitarbeitern machen die zum Oktoberfest oder ähnlichen Veranstaltungen eingeladen werden. So müssen z.B. die direkten Vorgesetzten darüber informiert werden und später muss jemand die Reisekostenabrechnung freigeben.

  • Grundsätzlich gilt in einem freien Land: Was beliebt, ist auch erlaubt.

    Kommt wie immer auf die Absicht an (und schon wird's kompliziert):

    Will man zusammen mit jemandem, den man mag, das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?

    Oder will man ihn „kaufen“?

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