Compliance-Beauftragte
Saubermänner verzweifelt gesucht

Zuständig für Anstand. Moral und Recht im Konzern: Chief-Compliance-Beauftragte werden in der Wirtschaft händeringend gesucht. Nur wenige entsprechen dem umfangreichen Anforderungsprofil: Juristische und kaufmännische Kenntnisse gehören genau so dazu wie Motivationskünste.

DÜSSELDORF. Unmoralische Angebote bekommt Oliver Jost fast täglich. Sie sind sogar Hauptbestandteil seines Jobs. Jost ist „Head of Group Compliance" der Commerzbank und damit zuständig für die Wahrung von Anstand, Moral und Recht im Konzern. Nicht nur Finanzdienstleister gehen immer vehementer gegen Insiderhandel, Korruption andere unerfreuliche Nebeneffekte des globalen Geschäftslebens vor. Die Nachfrage nach Fachkräften für die Position eines Chief-Compliance-Beauftragten übersteigt das Angebot derzeit bei weitem. Dies liegt auch daran, dass das Berufsbild noch recht schillernd ist: Mal übernimmt der Leiter der Rechtsabteilung den Posten, mal ist der Posten in der IT-Abteilung verankert.

Auch die Frage, welche Ausbildung die professionellen Saubermänner durchlaufen haben sollten, lässt sich nicht leicht beantworten. Gute juristische und kaufmännische Kenntnisse genügen nicht. „Ein guter Compliance Manager kennt die betrieblichen Abläufe in seinem Unternehmen, kann die Risiken für Rechtsverletzungen richtig einschätzen und für ihre Vermeidung die richtigen Lösungen schaffen“, sagt Kajus Rottok, Managing Partner der Personalberatung Ray & Berndtson.

Damit ist das Anforderungsprofil allerdings noch längst nicht rund: Der optimale Compliance Manager sollte zudem ein echter Motivationskünstler sein. „Es bringt überhaupt nichts, sich mit erhobenem Zeigefinger vor jeden Mitarbeiter zu stellen und den Moralapostel zu spielen“, sagt der Compliance-Chef der Commerzbank Oliver Jost. „Um langfristig Erfolg zu haben, muss man es schaffen, die Mitarbeiter zum Umdenken zu motivieren, statt sie nur zu kontrollieren.“

In den meisten Fällen ist dieser kooperative Ansatz erfolgreich. Zwar gebe es in Einzelfällen Mitarbeiter, die sich als etwas „lernresistent“ erwiesen, sagt Jost. Solche Kollegen würden allerdings umgehend „nachsensibilisiert“. „Das bedeutet nicht, dass wir bei jedem Verstoß sofort mit dem Richtschwert vor der Tür stehen und mit Abmahnungen um uns werfen“, sagt Jost. Meist genüge ein klärendes Gespräch, um die Sache zu bereinigen. Wenn ein Mitarbeiter allerdings notorisch die Ethikrichtlinien ‚vergesse’, müsse auch die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen.

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