Compliance-Beratung
Affären kosten Konzerne Milliarden

Deutsche Unternehmen ziehen weitreichende Konsequenzen aus der Fülle von Wirtschaftsskandalen der jüngsten Zeit. Vor allem die Schmiergeldaffäre der Siemens AG hat tiefe Spuren hinterlassen. So haben fast alle Dax-Konzerne in den vergangenen Monaten umfangreiche Compliance-Organisationen aufgebaut, um Vorfälle wie bei Siemens zu verhindern.

BERLIN/MÜNCHEN. Am Montag begann in München der erste Prozess gegen einen Siemens-Manager, der über Jahre ein System schwarzer Kassen betrieben haben soll. Zwar gibt es noch keine belastbaren Zahlen aus einzelnen Unternehmen, aber für die Gesamtwirtschaft geht das Ausmaß der Kosten in die Milliarden, mit denen die Unternehmen ihre neuen Compliance-Organisationen aufgebaut haben. Deutliche Hinweise gibt auch der Handelsblatt-Business-Monitor, eine exklusive Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Beratung Droege & Comp. unter rund 600 Top-Managern. Demnach haben sie in großem Umfang Anwälte beschäftigt, um sich beim Aufbau der Compliance-Organisation beraten zu lassen.

Fast zwei Drittel der Firmen mit über 5 000 Mitarbeitern gab danach an, in letzter Zeit verstärkt anwaltlichen Rat wegen der wachsenden Anforderungen in Anspruch genommen zu haben. Bei kleinen (bis 500 Mitarbeiter) und mittleren Unternehmen sieht das nicht anders aus. Zusammengerechnet suchten hier über 60 Prozent verstärkt den Rat der Juristen. Compliance bedeutet eine Unternehmensführung, die sich an Gesetze und Richtlinien hält.

So hat Thyssen-Krupp in den vergangenen Monaten ein völlig neues Compliance-System aufgebaut. Weltweit sind inzwischen 430 Mitarbeiter für Fragen rechtlich einwandfreier Unternehmensführung zuständig, beraten ließ sich der Konzern unter anderem von der Kanzlei Hengeler Mueller. Thyssen-Krupp nennt zwei Gründe für die umfangreiche Neuorganisation: die Kartellstrafe der EU, die Thyssen vor gut einem Jahr 480 Mill. Euro kostete, und die Erschütterung über die erheblichen Folgen der Siemens-Affäre.

Auch die Deutsche Bahn hat ihr Compliance-System erweitert, sie nahm dafür sogar den ehemaligen Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner unter Vertrag. Er hatte zuvor bei der Staatsanwaltschaft der Main-Metropole die bundesweit erste Schwerpunktabteilung zur Korruptionsbekämpfung aufgebaut.

Bereits zu Jahresanfang hatte der Risikoreport der Unternehmensberatung Ernst & Young prognostiziert, dass Compliance-Fragen zur größten strategischen Herausforderung für Unternehmen in diesem Jahr werden dürften.

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