Compugroup-Chef Frank Gotthardt
Wie eine Krake

In den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich die Compugroup krakenartig bei den niedergelassenen Ärzten ausgebreitet. Über seine Software hat Firmenpatriarch Frank Gotthardt Zugriff auf fast jede zweite Arztpraxis. Jetzt will er weiter expandieren – mit frischem Kapital von der Börse.

KOBLENZ. An der Gesundheitsreform lässt keiner ein gutes Haar. Ärzte nicht, Versicherer nicht und die Pharmahersteller erst recht nicht – Frank Gotthardt schon. Dem Chef des Softwareunternehmens Compugroup kann der Umbau des Gesundheitswesens gar nicht schnell genug gehen: „Alles, was zu effizienteren Abläufen zwingt, ist für uns positiv, denn wir haben das nötige Werkzeug.“ Die Compugroup liefert Ärzten Softwareprodukte, die viel versprechen: niedrigere Behandlungskosten bei besserer Qualität.

Das nötige Kleingeld für den erhofften Wachstumsschub will sich Gotthardt an der Börse besorgen. Nach Informationen aus der Branche wird das Unternehmen in dieser Woche Details zum Börsengang nennen. Wie viele Aktien die Deutsche Bank platzieren soll, steht noch nicht fest. Bis zum gestrigen Dienstag war der Firmenchef mit Bankern auf Tour, um bei den Investoren die Chancen eines Börsengangs auszuloten. Dass er die strengen Publizitätspflichten des Prime Standards erfüllen will, deutet jedoch daraufhin, dass er mittelfristig einen Platz in einem Index anstrebt.

Der 57-jährige Gotthardt ist ein Firmenpatriarch, wie er im Buche steht. Bei seinen Mitarbeitern ist der Informatiker mit dem grauen Bürstenschnitt für sein leicht entflammbares Temperament und seine Sturheit berüchtigt. Letztere dürfte für seine Konkurrenten noch ärgerlicher sein. Denn in den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich das Unternehmen dank des eigenen Vertriebserfolgs und der Übernahme kleinerer Wettbewerber krakenartig bei den niedergelassenen Ärzten ausgebreitet.

Gotthardts Erfolgsrezept ist das eines typischen Mittelständlers: Er kenne seine Kunden, wie er selbst urteilt. „Wenn es etwas gibt, was Ärzte hassen, ist es Veränderung“, beschreibt er seine Klientel. Als er in den 90er-Jahren mit seiner auf Zahnarztsoftware spezialisierten Gesellschaft beginnt, andere Anbieter von Abrechnungssoftware aufzukaufen, behält er deren Produktnamen und Benutzeroberflächen bei. „Die meisten Praxen haben gar nicht bemerkt, dass ihr Softwareanbieter gewechselt hat“, ist er überzeugt.

Wies die eine oder andere Software Schwächen auf, bügelten Gotthards Programmierer diese im Hintergrund aus, ohne dass sich für den Anwender sichtbar etwas änderte. Auf diese Weise wurden die Ärzte in ihrer Kaufentscheidung für „ihre Software“ sogar noch bestätigt. Für Gotthardt der beste Weg, sich die Treue der Kunden zu sichern: „Ärzte mögen es absolut nicht, eines Besseren belehrt zu werden.“

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