Computer-Chip-Designer
iPod-Chef unter Auflagen

Vielleicht fühlt sich einer der anerkanntesten Computer-Chip-Designer gerade wie ein frisch entlassener Sträfling, der sich regelmäßig beim Bewährungshelfer melden muss. Nach juristischem Hickhack gibt IBM nun grünes Licht: Mark Papermaster darf zu Apple wechseln. Details eines skurrilen Abkommens.

DÜSSELDORF. Mark Papermaster gilt als einer der Größten seiner Branche. 26 Jahre ist er im Geschäft, der Power-PC-Chip von IBM, den er Ende der 90er entwarf, gilt als sein Meisterstück.

Ende Oktober dann die Überraschung: Papermaster würde nach langen Jahren bei IBM zu Apple wechseln und dort als Nachfolger von Tony Fadell die Hardware-Sparte übernehmen, zu der auch der Musikspieler iPod zählt. IBM tobt: Schließlich enthält Papermasters Vertrag eine Konkurrenzausschlussklausel. Ein Gericht ordnet daraufhin Anfang November an, er könne seine Arbeit bei Apple nicht aufnehmen. Anscheinend treibt IBM dabei mehr als Eitelkeit: Der Konzern hat Angst, sein Wissen über die Speichertechnik Racetrack zu verlieren. Sie nutzt die Drehung von Elektronen aus, um Speicherchips wesentlich effizienter zu machen. Drei Monate beschäftigten beide Seiten nun die Gerichte. Erst kürzlich verlor IBM einen Prozess gegen Papermaster selbst: Der Computerbauer musste eine Bürgschaft über drei Millionen Dollar hinterlegen. Diese Summe hätte Papermaster erhalten, wenn IBM ihn unberechtigt an seiner Arbeit für Apple gehindert hätte.

Nun aber haben sich beide Seiten doch geeinigt – wenn auch auf ein fast skurril wirkendes Abkommen. Papermaster darf beim Apfel-Konzern am 24. April antreten, exakt sechs Monate nach seinem Abgang bei IBM. Außerdem gelten alle vertraglichen Absprachen in Sachen Geheimhaltung weiterhin: Er darf interne IBM-Informationen nicht verwenden oder weitergeben.

Mehr noch: Im Juli und Dezember dieses Jahres muss Papermaster noch einmal schriftlich ausführen und bestätigen, dass er sich an diese Regeln gehalten hat. „IBM hat gerade gelernt, dass Konkurrenzausschlussklauseln in Kalifornien nicht durchsetzbar sind“, kommentiert John Paczkowski vom „Wall Street Journal“. Denn wie genau diese Geheimhaltung zu kontrollieren ist, bleibt offen.

Papermaster startet nun bei Apple ohne Chef. Denn eigentlich sollte er an Chief Executive Officer (CEO) Steve Jobs berichten. Der hat aber jüngst aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit angekündigt.

Doch Arbeit dürfte Papermaster reichlich haben, meint der Branchendienst Silicon Alley Insider. „Seine Herausforderung: Er muss Apple vor den Rivalen Palm und Rim halten, die das iPhone zu kopieren versuchen.“ Außerdem sei denkbar, den iPod Touch mit dem berührungsempfindlichen Bildschirm zu einer Produktreihe auszubauen. Da bleibt Papermaster wenig Zeit, um Beweisschreiben für die eigene Geheimhaltung zu verfassen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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