Computerwunderkind Albert Gonzalez
Der Bill Gates der Unterwelt

Aus dem pickelgesichtigen, Brille tragenden Teenager Albert Gonzalez hätte womöglich ein zweiter Bill Gates werden können. „Er war der typische Computerfreak, der mehr als alle anderen am Rechner konnte“, beschreibt ein Lehrer die Jugendzeit des nun wegen des größten Internetdiebstahls der US-Geschichte angeklagten Serientäters.

NEW YORK. Doch so ganz stimmt das Klischee nicht. Gonzales war keines der nächtelang programmierenden, sozial isolierten Computerkids. Schon früh hat er eine getreue Anhängergemeinde um sich geschart, sagte der Pädagoge, der namentlich nicht genannt werden will, dem US-Boulevardblatt Daily News. Und anders als der eher dem Stereotyp entsprechende Microsoftgründer Gates setzte Gonzales Computerkenntnisse und Charisma dazu ein, um ganze Banden organisiert in Beutezüge in den Cyberspace zu führen.

Nun drohen dem unter dem Pseudonym „Soupnazi“ (Suppennazi) operierenden Gonzalez mindestens 35 Jahre Haft, weil er gemeinsam mit zwei Komplizen zwischen Ende 2006 und Anfang 2008 rund 130 Mio. Kreditkartennummern illegal von den Servern eines Rechenzentrums herunterlud.

Dass der historische Computerraubzug letztlich aufflog, ist für die US-Behörden aber kein Grund zum Feiern. Ungern werden sie an den heute 28-jährige Gonzalez erinnert. Schließlich leimte der charmante Serienverbrecher den Secret Service nach seiner Verhaftung wegen ähnlicher Delikte 2003 auf ganzer Linie.

Damals erhielt er Straffreiheit und sollte im Gegenzug helfen, in der „Operation Firewall“ die Hacker der illegalen Cyberspaceorganisation „Shadowcrew“ dingfest zu machen. Das gelang 2004 tatsächlich; 28 Mitglieder der 400 Mann starken Gruppe gingen den US-Behörden in die Falle.

Gonzalez kam im Gegenzug frei und richtete sich im heimatlichen Miami wieder in der Hackergemeinde ein. Die Behörden vermuten heute, dass er die entscheidenden Mitglieder von Shadowcrew vor dem Zugriff der Behörden warnte und sich so wieder den Zugang zur Szene sicherte. Für sie schmiss er wenig später eine 75 000 Dollar teure Geburtstagsparty und organisierte die nächsten Beutezüge für einen Hackerring namens „Get rich or die trying“ (etwa „Werde reich oder stirb bei dem Versuch, es zu werden).

Als die Bande ihre Beute zählen wollte, ging Gonzalz' Geldzählmaschine kaputt; er beschwerte sich daraufhin bei seinen Komplizen über die harte Arbeit, Tausende 20 Dollar Noten von Hand zählen zu müssen. Der Versuch, Kreditkartennummern aus den Systemen der Restaurantkette Dave & Buster zu klauen, wurde ihm dann zum Verhängnis. Seit März 2008 sitzt er dafür – und für mindestens ein anderes Computerverbrechen – im New Yorker Stadtteil Brooklyn in Haft. Bei seiner Festnahme stellte die Polizei 1,6 Mio Dollar in bar sicher.

Die jüngste Anklage wegen des Diebstahls der 130 Mio. Datensätzen von Kreditkartenbesitzern zeigt endgültig, dass der Secret Service mit seinem Plan, Gonzalez gegen die eigenen Kumpanen einzusetzen, grandios gescheitert ist. Sie müssen einsehen, dass sie das Netzwerk unterschätzt haben. Dass Gonzalez in so viele Datendiebstähle verwickelt sei, zeige, „dass die Personen mit solchen Fähigkeiten doch eine verschworenere Gemeinschaft sind, als man bislang angenommen hat“, sagte der zuständige, stellvertretender Staatsanwalt Erez Liebermann von New Jersey.

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