Conergy
Das Comeback des Andreas von Zitzewitz

Wegen einer Korruptionsaffäre musste er zurücktreten. Jetzt soll der vorbestrafte Ex-Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz neuer Chef von Conergy werden. Bei seinem Comeback drücken ihm auch alte Weggefährten die Daumen.

Nur wenige vorbestrafte Manager schaffen es, nach einer Verurteilung dort wieder anzuknüpfen, wo sie aufgehört haben – geschweige denn, einen Karrieresprung noch dranzuhängen. Andreas von Zitzewitz kann sich jetzt zu diesen Ausnahmen zählen.

Nach seiner Verurteilung zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 100 000 Euro Ende 2006 wegen der Annahme von Bestechungsgeldern glaubte kaum jemand an eine neue Karriere für den einstigen Vorstand des Chipkonzerns Infineon. Jetzt hat ihn der Aufsichtsrat des Hamburger Solarunternehmens Conergy rehabilitiert: Von Zitzewitz steigt zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden auf – mit der Option, die Leitung des angeschlagenen Unternehmens im Sommer 2010 von Dieter Ammer zu übernehmen. Denn Conergy-Chef Ammer stehen die juristischen Mühlen noch bevor. Gegen ihn ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen möglicher Bilanzfälschung und Insiderhandel.

Bei seinem Comeback drücken von Zitzewitz auch alte Weggefährten die Daumen. „Er hat einen Fehler gemacht, aber den Neustart verdient“, heißt es bei Infineon. Schließlich hatte der promovierte Ingenieur und Technikfreak bis Juli 2005 eine blitzsaubere Karriere hingelegt. Bereits mit 35 Jahren übernimmt er die Leitung des Bereichs Speicherprodukte bei Siemens und wird vier Jahre später in den Vorstand der inzwischen selbstständigen Tochtergesellschaft Infineon berufen.

Doch ein Jahr nachdem er und seine Vorstandskollegen den selbstherrlichen Infineon-Chef Ulrich Schumacher gestürzt haben, wird ihm seine Autoleidenschaft zum Verhängnis. Mit seinen beiden Söhnen beteiligt sich von Zitzewitz an teuren Motorradrennen und ist häufiger Gast bei Autorennen, wo Infineon einen Porsche-Rennstall sponsert. Dank persönlicher Kontakte wirbt von Zitzewitz einige Sponsoren an, doch die Einnahmen landeten nicht alle bei Infineon, sondern auch in den Taschen des Vorstands.

Hauptbelastete waren der Sponsorenvermittler Udo Schneider und Infineon-Chef Ulrich Schumacher. „Die Geldübergaben erfolgten in der Regel in meinem Büro“, gestand von Zitzewitz als Zeuge im Prozess gegen Schneider. Dieses Geständnis ersparte ihm das Gefängnis, doch die Karriere schien beendet.

Von Zitzewitz litt unter der erzwungenen Untätigkeit und dem „Stigma der Bestechlichkeit“. Noch vor zwei Jahren schätzte er die Chance auf einen Neuanfang in der von ihm geschätzten High-Tech-Industrie als sehr gering ein. „Ich bin jung, kann arbeiten, darf aber nicht. Was für eine Verschwendung an Know-how“, klagte er. Eine Beteiligung an dem Hersteller von Reisemobilen, Bavariacamp, den er schnell sanierte, dürfte dem als harten Arbeiter bekannten Schwaben keine dauerhafte Befriedigung gebracht haben.

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