Consultants müssen Preisnachlässe gewähren
Unternehmen sind mit Beratern unzufrieden

Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die die Dienste von Unternehmensberatern nutzen, ist mit deren Leistungen unzufrieden. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Handelsblatts bei den 1 500 größten Unternehmen in Deutschland über die Zufriedenheit mit ihren Unternehmensberatern. Jeder Dritte kommt mittlerweile sogar ganz ohne Externe aus, die meisten handeln die Berater im Preis runter.

DÜSSELDORF. Personalchef Karl Hofer (Name von der Redaktion geändert) hielt es für einen Witz. Die Junior-Beraterin von einer der drei deutschen Top-Beratungen durchforstete die Kosten seiner Abteilung und fragte: „Brauchen Sie die vier Betriebsratsstellen?“ „Nein, ich brauche die nicht“, war Hofers Antwort. „Dann können wir die doch streichen.“ Hofer nickte – er glaubte noch, die Beraterin scherze nur. Und dass sie gleich loslacht. Bis er merkte: Es war ihr Ernst. Kein Witz. Dass das Gesetz je nach Betriebsgröße eine feste Zahl freigestellter Betriebsräte vorschreibt, war ihr neu. Trotz Betriebswirtschaftsstudium.

Der heiße Tipp der Top-Beraterin – ausgerechnet den Betriebsrat zu feuern – war hoffentlich untypisch. Doch typisch war ihr Vorschlag: Auf Stellen-Kürzen dürfte mit 56 Prozent der häufigste Rat - Konzentration auf die Kernaufgaben – hinauslaufen. Bei immerhin 40 Prozent geht es gleich und nur ums Entlassen. Nur in 9 Prozent der Fälle gab es den Rat, neue Leute einzustellen. Jüngstes Beispiel: Mercedes Car Group in Stuttgart, denen McKinsey die Entlassung von 10 000 Mitarbeiter empfiehlt. Und das, obwohl Mercedes die unzufriedensten Kunden unter den 33 Automarken in Deutschland hat.

Der Trend: Für die Kunden sind günstige Zeiten angebrochen, 82 Prozent der Berater ließen sich im Preis drücken. Denn diese haben zu viele Leute und weniger Aufträge als früher. Dazu passt dieses deutliche Ergebnis: Bei 84 Prozent der Unternehmen hatten die Berater versucht, sich Anschlussaufträge zu sichern – indem sie eine Überprüfung der Umsetzung ihrer eigenen Vorschläge ans Herz legten. Ein Top-Manager der Bauindustrie etwa moniert, dass die Berater sich „auf Wunsch feiger Banker im Unternehmen festsetzten und versuchten, gegen den Willen des Managements Folgeaufträge sicherzustellen“.

Ob diese Akquisemethode Erfolg hat, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin wollen 61 Prozent der Befragten künftig keine Berater mehr beschäftigen oder haben erhebliche Zweifel. Anders herum: Nur 39 Prozent waren zumindest so zufrieden mit deren Diensten, dass sie sie wieder beauftragen wollen. Als Schulnote gaben die Befragten im Schnitt eine 2,5. Zum Vergleich: Die Rechtsanwälte erhielten bei der letzten Handelsblatt-Umfrage eine 2,1.

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